Freitag, 1. November 2013

"Gebot der Moral"… eine Drohne zu bewaffnen

Nachtrag 2013-11-02

Ich bekam den Hinweis auf diesen Artikel zum Thema Drohnenpilot in der Zeit. Der hilft vielleicht sich noch etwas mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen: http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/usa-drohnen-pilot

Vorwort

In der Ausgabe der Leipziger Volkszeitung vom 1. November 2013 ist im »Magazin« Seite 1 unter der Überschrift »„Heron“ über Afghanistan« ein Artikel (ganzseitig!) zu lesen, der einem schier die Sprache verschlägt, ob der Menschenverachtung, die dort zum Ausdruck kommt.

Schon im Anrißtext des Artikels von Can Merey ist folgender Satz zu finden:

»Die Soldaten werfen die Frage auf, ob es nicht „ein Gebot der Moral“ wäre, die Drohne zu bewaffnen.«

Ich dachte, ich hätte mich verlesen oder der Anriß will mich mit gezielter Provokation zum Weiterlesen animieren. Also las ich weiter.

Wir können nicht heruntergeholt werden?

Im Artikel wird erklärt, was eine Drohne ist, wer ihre Bediener sind (ua. Oberstleutnant Ralf E.) und was ein Drohneneinsatz vom Einsatz im Aufklärungstornado  unterscheidet. Wie dieser bemerkt, macht es aus Sicht der Soldaten, was deren Gefährdung betriff, keinen Unterschied, ob sie im Tornado fliegen oder eine Drohne steuern, denn: »…weil die Aufständischen einfach nicht die Waffen haben, um uns runterzuholen.«

Wir fragen erst und schießen dann?

Im folgenden geht der Artikel auf das schlechte Image der Drohnen ein, welches vorallem der Verwendung zur gezielten Tötung von »Extremisten« durch die CIA in Pakistan zurückzuführen sei.

Besagter Oberstleutnant E. meint, das könne bei der Bundeswehr nicht passieren, denn: »…glaube nicht, daß wir eine Nation sind, die erst schießt und dann fragt

Gebot der Moral

Nun wird es spannend, nach einem kurzen Ausflug in den Skandal um den Luftschlag von Kundus 2009 unter Verantwortung von Oberst Georg Klein, wird im Artikel wiederum Oberstleutnant E. zitiert, der, wenn er am Monitor seiner Drohne einen Angriff der Bösen (Zitat: »ist ein Böser«) sieht, viel lieber eine bewaffnete Drohne hätte um einzugreifen.

Genauer bringt er die Moral ins Spiel,  Zitat: »Ist es dann nicht ein Gebot der Moral, in diesem Moment helfen zu können?«.

Den Begriff der Moral im Zusammenhang mit Kriegshandlungen zu bringen, wo Menschen gezielt verletzt und umgebracht werden, ist an sich schon ein starkes Stück.

Feine Wirkmittel

Aber es wird noch krasser, man beachte die verschleiernde, distanzierende und verharmlosende Sprache im folgenden Zitat des gleichen Offiziers:

»Bei der bewaffneten Drohne müsse es nicht darum gehen, den Gegner zu töten…« »…reden jetzt nicht von den 500- oder 200-Pfund-Bomben, sondern wirklich über sehr kleine, feine Wirkmittel, mit einer Wirkladung, vielleicht zwischen drei und fünf Kilo. Und man muss das ja nicht immer auf den Menschen werfen…«

Propaganda oder guter Artikel?


Ich bin mir auch nach mehrmaligem Lesen des Artikels absolut nicht sicher, ob ich den Artikel als Propaganda pro Drohneneinsatz oder als kritischen Artikel über die Verharmlosung des Krieges und der beginnenden inneren Distanzierung der Soldaten vom Wesen und Leid des Krieges durch den Monitor eines Drohnen-Leitstandes verstehen soll.

Meine Fragen

Für mich stellen sich folgende Fragen:
  • Macht es wirklich keinen Unterschied für den Soldaten, ob er selbst fliegt oder eine Drohne steuert?
  • Wie entwickeln sich innerliche ethische Haltungen, wenn Soldaten ihre Einsätze mehr virtuell erleben? 
  • Erleben Sie den Angriff auf ihre eigenen Leute bei der Beobachtung genauso distanziert/nah, wie wenn sie mit einer bewaffneten Drohne auf die Angreifer feuern würden?
  • Ist die Sprache, die Begriffe, wie "Gut" und "Böse" verwendet, unter Soldaten üblich?
  • Ist es eine Frage der Moral oder eine Frage der Ethik, mit der sich Soldaten, aber auch wir in der Diskussion um den Einsatz von bewaffneten Drohnen beschäftigen müssen?
  • Wer oder was entscheidet über das "Gebot der Moral"?
  • Kleine, feine Wirkmittel – Kalter Zynismus?
  • Und was sagt, »Und man muss das ja nicht immer auf den Menschen werfen…« eigentlich aus? Ab und an wäre völlig okay?
Ich bin auf eure Meinung gespannt und hoffe inständig, daß besagter Oberstleutnant die berüchtigte Ausnahme ist.

Zum Autor Can Merey

Ich bin mir nicht 100% sicher, es könnte sich aber bei dem Autor um den im ff. erwähnten handeln:

http://www.agentursimon.com/de/authors/mereyc.html