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Sonntag, 4. Dezember 2016

Schaden durch eine kaputte Digitalcharta

Vor wenigen Tagen wurde von einer "Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, denen die Gestaltung der digitalen Welt am Herzen liegt" eine "Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union" vorgelegt.

Auf den ersten Blick


Auf den ersten Blick ist man als Mensch, der an Netzpolitik interessiert ist, und die letzten Jahre gesellschaftliche Entwicklungen unter dem Aspekt der digitalen Revolution bewertet, geneigt, diesem Entwurf zuzustimmen.

Doch leider krankt die Charta an elitärer Überheblichkeit und sorgt durch ihre betonte Gegenüberstellung des Digitalen gegen die "reale" Welt für die Zementierung von Neuland-Dystopien in den Köpfen überforderter Angst-Politiker.

Zur Charta gibt es schon sehr gute Analysen, ua. von Julia Reda über die Rückschritte in den Fragen des Immaterialgüterrechtes, von Jürgen Geuter (aka @tante) der vor allem Artikel 5 kritisiert, und von Nutella, der die juristischen Fragen beleuchtet.

Aus meiner Sicht ist die Digitalisierung unserer Welt im vollen Gange und unumkehrbar. Unsere Arbeitswelt verändert sich, unsere Art der Kommunikation und unsere Erfahrungs- und Wissenswelt. Viele dieser Veränderungen legen ein hohes Tempo an den Tag, und diese Veränderungen machen etlichen Menschen Angst.

Für mich ist "digitale Welt" und "reale Welt" kein Gegensatz


Aus diesem Grunde kann ich der Präambel der og. Charta im Grunde zustimmen. Dem entgegen stehen zwei Punkte:

Grundrechte und demokratische Prinzipien auch in der digitalen Welt durch die Herrschaft des Rechts zu schützen,
Für mich ist "digitale Welt" und "reale Welt" kein Gegensatz, die Nutzung von Computern (gleich welcher Form) ist Realität. Meine Kommunikation erfolgt gleichberechtigt via Internet oder von Angesicht zu Angesicht. "Digitale Welt" ist ein anderer Ausdruck von "Neuland", so als wäre das etwas vom Alltag, von der Lebenswirklichkeit abtrennbares. Wie eine Insel auf die man reisen kann und für die man neue Regeln definieren müsste.

staatliche Stellen und private Akteure auf eine Geltung der Grundrechte in der digitalen Welt zu verpflichten,
Auch dieser Punkt wirkt, als würde man die Behauptungen ältlicher Sicherheitshysteriker ernstnehmen, die das Internet, oder verkürzt alles Digitale, als "rechtsfreien Raum"  bezeichnen.

Vielleicht sind diese Punkte missverständlich und könnten durch andere Formulierung entschärft werden. Schauen wir auf Artikel 1 "Würde":

(1)  Die Würde des Menschen ist auch im digitalen Zeitalter unantastbar. Sie muss Ziel und Zweck aller technischen Entwicklung sein und begrenzt deren Einsatz.
(2)  Neue Gefährdungen der Menschenwürde ergeben sich im digitalen Zeitalter insbesondere durch Big Data, künstliche Intelligenz, Vorhersage und Steuerung menschlichen Verhaltens, Massenüberwachung, Einsatz von Algorithmen, Robotik und Mensch-Maschine- Verschmelzung sowie Machtkonzentration bei privaten Unternehmen.
(3)  Die Rechte aus dieser Charta gelten gegenüber staatlichen Stellen und Privaten.

Technische Entwicklung ist Folge der Neugier des Menschen


Satz 2 aus Absatz 1 halte ich für Geschwurbel. Es ist doch nicht die technische Entwicklung, die die Würde der Menschen antasten würde, sondern immer Menschen, die die Würde anderer Menschen verletzen. Technische Entwicklung ist Folge der Neugier des Menschen. Und erst mit der Entwicklung von neuer Technik kann sich auch ein moralischer Maßstab entwickeln, der den Einsatz dieser Technik zum Wohle des Menschen regelt.

Absatz 2 gehört meines Erachtens nicht in eine Charta. Eine Charta sollte auf lange Zeit allgemeingültig sein. Daher sind Auflistungen von Beispielen nicht sinnvoll. Davon ab, warum Big Data, künstliche Intelligenz, …, Algorithmen und Robotik per se zu verteufeln sind, erschliesst sich mir nicht.

Über Absatz 3 wurde an anderer Stelle schon viel gesagt. Kurz zusammengefasst, ist es hoch problematisch Abwehrrechte nicht nur gegenüber dem Staat, sondern auch gegenüber "Privaten" zu definieren. Zumal "Private" nicht genauer eingegrenzt ist.

Meinungsfreiheit als Grundrecht gilt nicht nur in der digitalen Kommunikation, sondern generell


Über den Artikel 5 "Meinungsfreiheit und Öffentlichkeit" wurde schon genug berichtet:

(1) Jeder hat das Recht, in der digitalen Welt seine Meinung frei zu äußern. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Digitale Hetze, Mobbing sowie Aktivitäten, die geeignet sind, den Ruf oder die Unversehrtheit einer Person ernsthaft zu gefährden, sind zu verhindern.
(3) Ein pluraler öffentlicher Diskursraum ist sicherzustellen.
(4) Staatliche Stellen und die Betreiber von Informations- und Kommunikationsdiensten sind verpflichtet, für die Einhaltung von Abs. 1, 2 und 3 zu sorgen.

Der komplette Artikel ist in sich widersprüchlich. Die Begriffe "Digitale Hetze", "Mobbing" sind nicht definiert. In Absatz 1 wird Zensur eine Absage erteilt, in Absatz 4 werden staatliche Stellen und die Privatwirtschaft in die Pflicht genommen, genau dieser Zensur Vorschub zu leisten. Was ein "pluraler öffentlicher Diskursraum" sein soll, bleibt unverständlich. Alles in allem gehört dieser Artikel komplett gestrichen. Meinungsfreiheit als Grundrecht gilt nicht nur in der digitalen Kommunikation, sondern generell.

Wo die Grenzen von Profiling zu ziehen sind


Im Artikel 6 "Profiling":

Profiling durch staatliche Stellen oder Private ist nur auf gesetzlicher Grundlage zulässig.

könnten Sicherheitspolitiker die Aufforderung verstehen, Private in die Pflicht zu nehmen. Wo die Grenzen von Profiling zu ziehen sind, definiert die Charta leider gar nicht. Dabei wäre dies in Zeiten zunehmender Überwachung und proaktiven Profilings (zB. Precrime) notwendig.

Automatisierung ist erst einmal nichts Verdammenswertes


Der Artikel 7 "Algorithmen" ist hanebüchen. Zuerst einmal ein paar Wote zum Algorithmenbegriff. Dieser bezeichnet nichts anderes als eine Vorschrift zur Problemlösung, quasi als generalisiertes Rezept zur Vermeidung von Rechenaufwand für eine bestimmte Gruppe von gleichartig gelagerten Problemen.

(1) Jeder hat das Recht, nicht Objekt von automatisierten Entscheidungen von erheblicher Bedeutung für die Lebensführung zu sein. Sofern automatisierte Verfahren zu Beeinträchtigungen führen, besteht Anspruch auf Offenlegung, Überprüfung und Entscheidung durch einen Menschen. Die Kriterien automatisierter Entscheidungen sind offenzulegen.
(2) Insbesondere bei der Verarbeitung von Massen-Daten sind Anonymisierung und Transparenz sicherzustellen.

Automatisierung ist erst einmal nichts Verdammenswertes. Automatisierung  sorgt für eine Entlastung der stupiden Wiederholung von gleichartigen Tätigkeiten. Nehmen wir als Beispiel die Personenbeförderung. Nach obiger Definition wären fahrerlose Systeme, wie selbstfahrende Autos, Autopiloten in Flugzeugen nicht möglich. Auch die Forderung nach Offenlegung der kriterien automatisierter Entscheidungen ist an der Lebenswirklichkeit vorbei. Neuronale Netze können zB. Autos steuern, *wie* diese aber zu den jeweiligen Entscheidungen kommen ist schlicht nicht rückübersetzbar. Wenn man den Artikel in der Intention in eine Charta übernehmen will, dann sollte man Fragen der Haftung, Etablierung von Sicherungssystemen, Mindestsstandards nach anerkanntem Stand der Technik aufnehmen. Der nachfolgende Artikel 8 zu "Künstliche Intelligenz" ist da schon besser formuliert.

Transparenzgebot ist Abwehrrecht des Bürgers


In Artikel 9 "Transparenz" steht:

(1) Die Informationen staatlicher Stellen müssen öffentlich zugänglich sein.
(2) Das Transparenzgebot gilt auch gegenüber Privaten, sofern diese über Informationen verfügen, die für die Freiheitsverwirklichung Betroffener von entscheidender Bedeutung sind.

Auch hier ist Absatz 2 mit der fehlenden Abgrenzung von "Privaten" hoch problematisch. Das Transparenzgebot staatlicher Stellen als Forderung gegenüber dem Staat ist ebenfalls ein Abwehrrecht des Bürgers. Es sichert, dass der Staat gegenüber seinen Bürgern sein Handeln erklärt Die Ausweitung auf wie auch immer geartete "Private" ist aus dieser Sicht mE. nicht herleitbar.

Höchstmöglicher Schutz ist schlicht nicht in Breite finanzierbar

In Artikel 13 "Datensicherheit" würde ich den schwammigen und überzogenen Begriff von "höchstmöglicher Schutz" durch "Sicherheit nach dem jeweiligen anerkannten Stand der Technik" ersetzen, höchstmöglich ist schlicht nicht in der Breite finanzierbar:

(1) Jeder hat ein Recht auf Sicherheit von informationstechnischen Systemen und der durch sie verarbeiteten Daten. Dabei ist höchstmöglicher Schutz zu gewährleisten.
(2) Identitätsdiebstahl und Identitätsfälschung sind zu bekämpfen.

Wie wird der Zugang finanziert?

  15 "Freier Zugang" ist schwierig:

(1) Jeder Mensch hat das Recht auf freien, gleichen und anonymen Zugang zu Kommunikationsdiensten, ohne dafür auf grundlegende Rechte verzichten zu müssen. Das Internet ist Bestandteil der Grundversorgung.
(2) Jeder hat das Recht auf eine nicht-personalisierte Nutzung digitaler Angebote.

Den Satz 2 des Absatz 1 würde ich ungesehen unterschreiben. Der Rest ignoriert die Frage der Finanzierung. Heute werden Dienste im Grunde auf zwei Arten finanziert. Entweder muss ich als Nutzer einen gewissen finanziellen Beitrag für die Nutzung bezahlen, oder private Daten, die aus der Nutzung dieser Dienste anfallen werden zur Finanzierung genutzt (personalisierte Werbung, Verkauf von Kundendaten). Wie jemand Dienste nutzen und bezahlen will, sollte jedem freigestellt sein. Allerdings muss er diese Entscheidung bewusst und informiert treffen können.

Gesellschaft muss akzeptieren, dass sich Menschen weiterentwickeln


Artikel 18 "Recht auf Vergessenwerden" ist hanebüchener Blödsinn. Als populistische Forderung schnell hinausposaunt, ignoriert sie die sich daraus ergebenden Konsequenzen:

Jeder Mensch hat das Recht auf digitalen Neuanfang. Dieses Recht findet seine Grenzen in den berechtigten Informationsinteressen der Öffentlichkeit.

Was sind denn die "berechtigten Informationsinteressen der Öffentlichkeit"? Würde darunter eine wissenschaftliche Auswertung zu soziokulturellen Entwicklungen via Twitter darunter fallen? Oder "das Phänomen Pegida im Internet"? Würde der Erhalt von 4chan nicht wichtige Informationen zu einem Teil der  Kultur des 21. Jahrhunderts liefern?
 
Im Übrigen ist es ja nicht das Problem, dass sich Informationen zB. zu Jugendsünden des einen oder anderen im Internet finden, sondern der gesellschaftliche Umgang damit. Sprich: die Gesellschaft muss akzeptieren, dass sich Menschen weiterentwickeln, dass Informationen immer im Kontext betrachtet werden müssen und dass uns erst das kulturelle Gedächtnis zu dem gemacht hat, was wir jetzt sind: Menschen die auf einen riesigen überlieferten Erfahrungsschatz vergangener und bestehender Kulturen aufbauen können. Wer ein Recht auf Vergessen fordert ist sehr schnell bei Zensur, ob gewollt oder nicht.

Von der Erwartung "bezahlte Arbeit für alle" verabschieden!


Artikel 21 "Arbeit" scheint aus der Feder eines Alt-Sozialisten geflossen zu sein:

(1) Arbeit bleibt eine wichtige Grundlage des Lebensunterhalts und der Selbstverwirklichung.
(2) Im digitalen Zeitalter ist effektiver Arbeitsschutz zu gewährleisten.
(3) Der digitale Strukturwandel ist nach sozialen Grundsätzen zu gestalten.

Dieser Artikel, insbesondere der erste Absatz ist so falsch und so bar jeder Erkenntnis zu den Entwicklungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, wie sonst kein anderer Artikel. Durch die Digitalisierung unserer Welt, durch die zunehmende Automatisierung, in der Entwicklung künstlicher Intelligenz, ist es unabwendbar, dass wir uns als Gesellschaft von der Erwartung "bezahlte Arbeit für alle" lösen müssen.Stattdessen müssen wir uns Modelle überlegen, wie wir zum einen den Lebensunterhalt der vielen Menschen sichern und zum anderen für eine Weiterentwicklung der Gesellschaft sorgen können. Eine viel diskutierte Variante wäre die Umstellung auf ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dies könnte, richtig organisiert, das kreative Potential der Menschen zum Wohle aller freisetzen. Als Beispiel könnte man die OpenSource-Bewegung nennen, in der Menschen gemeinsam Software entwickeln, die für alle gleichermaßen verfügbar ist.

Ignoriert den Status Quo


Der Artikel 22 "Immaterialgüter" ist ein Rückschritt und ignoriert den Status quo. Für eine detaillierte Analyse sei auf Julia Redas Beitrag verwiesen.

Quintessenz


Die Charta hat einige gute Ansätze, und der wichtigste Punkt ist, die aktuelle Diskussion. Leider zementiert sie die Trennung zwischen der "realen" Welt auf der einen und "digitaler Welt" auf der anderen. Die nach Angaben der Initiatoren investierte Arbeit von 14 Monate Vorbereitung und Diskussion spiegelt sich im Ergebnis nicht wieder. Es bleibt der Eindruck eines unausgegorenen Experiments. Schade ist zudem, dass die Charta zwar als europäisches Projekt angedacht ist, aber Europa bisher in keinster Weise einbezogen hatte. Damit richtet sie letztlich mehr Schaden an, als man ihr an positiven Punkten wohlmeinend zugute halten könnte.

Dienstag, 12. April 2016

Politische Zeiten

Lang ist es her, seit ich das letzte mal dazu kam, über Politik im Allgemeinen und Stadtpolitik im Besonderen zu bloggen.
Es ist ja nicht so, dass ex nix gäbe wozu man sich äußern könnte, dass diese Tage so uninteressant wären. Im Gegenteil, sei es Böhmermanns Coup, mit Satire die Scheinheiligkeit im Verhältnis Deutschland - Türkei offenzulegen, sei es die Unverfrorenheit der Machtpolitiker von CDU und SPD die Bundeswehr nun auch im Innern und im Interesse des "Supergrundrechts" Terrorabwehr auch gegen eigene Staatsbürger einsetzen zu Wolken oder sei es die Ohnmacht im Umgang mit rechtspopulistischen Stimmen der AFD, die den Druck auf Regierungsparteien in Flüchtlingskrise erhöhen.
Alles in allen leben wir in "interessanten" Zeiten.
Doch, und so wie es aussieht, bin ich da nicht allein, komme ich kaum noch dazu, all diese politischen Ereignisse und Entwicklungen zu verarbeiten.
Nicht falsch verstehen, ich beschäftige mich durchaus damit, mir gelingt es meistens Position und Gegenposition zu erlesen und eigene Meinung zu entwickeln.
Doch was mir kaum noch gelingt, ist den Prozess dieser Meinungsfindung zu dokumentieren (aka darüber schreiben,  bloggen) und mit anderen darüber zu diskutieren.
Dem liegen zwei Punkte zugrunde, der erste: Ich stelle eine zunehmende Polarisierung in der politischen Debatte fest. War es früher möglich, sich differenziert zu äußern, auch mal ein "ich habe mir da noch keine Meinung gebildet" einzuwerfen oder gar eine Gegenposition als Möglichkeit die Validität von Argumenten zu prüfen einzunehmen, wird dies immer mehr von "Du bist nicht für uns, dann bist Du gegen uns" begründeten Diskursverweigerungen verunmöglicht.
Aber auch die tatsächliche Schlagfrequenz mit der politische Themen medial durchgeprügelt werden sorgt dafür, dass zumindest ich, nicht mehr hintergerkomme, diese einzuordnen, zu bewerten. Die Presselandschaft ist da auch keine Hilfe mehr. Statt Faktenanalyse und Gegenüberstellen von Positionen verkommt die politisch journalistische Arbeit zu Meinungsbeiträgen und Hofberichterstattung, und bietet damit weniger Orientierung.
Alles in allem zwingt mich diese Entwicklung mich auf ganz wenige Themengebiete festzulegen, um überhaupt noch "ehrenamtlich" politisch tätig zu sein. Ich bin nicht politik verdrossen, bin weiterhin an Politik interessiert und politisch. Doch die Flut an Mißachtung bisher geltender Regeln durch Politik, wie auch der Verfall des Journalismus ist möglicherweise Ursache des immer weniger "sich mit Politik beschäftigen" Könnens.

Wie geht es Euch damit? Liege ich falsch?

Mittwoch, 16. Juli 2014

Politikleitfaden – Wie organisiere ich mir eine Hausmacht

Quelle: Wikipedia

Dieses Blog soll ja auch lehrreich sein und Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Innenleben von Politik vermitteln.

Voraussetzung für diesen Leitfaden ist der Basisgrundkurs: Wie erlange ich ein Mandat bei den Piraten (von Jan Leutert)

Im folgenden für alle Machthungrigen (das muß nichts schlimmes sein) der Politikleitfaden »Wie organisiere ich mir eine Hausmacht«

Warte auf den richtigen Augenblick!


Um eine Hausmacht organisieren zu können, trainiere Deine Instinkte darauf, kritische Momente zu erkennen.

Wenn gerade große Teile Deines Vereins oder Deiner Partei mit Entscheidungen des Vorstandes unzufrieden sind, ist das meist ein guter Indikator!

Schlage nie unvorbereitet zu! Nur die Unzufriedenen werden sich nach Alternativen umsuchen. Ohne die kritischen Momente wird Dir keiner folgen!

Du brauchst initiale Mitstreiter!


Der Ausdruck "Verschwörer" ist völlig unangemessen! Wichtig ist, dass ihr vorher möglichst wenig zusammen gesehen wurdet. Sichere Dir die Loyalität, ein Hinweis auf einen dunklen Fleck wäre bestimmt irgendwann einmal von Nutzen.

Wenn Du einen Mitstreiter gefunden hast, müsst ihr Euch auch verständigen können. Nichts ist schädlicher als wenn Ihr Euch widersprecht oder Du gar auf einmal alleine da stehst. Ihr braucht also einen nicht öffentlichen Kommunikationskanal. Handykommunikation  wäre ok.

Achte darauf, dass Du nie was schriftliches hinterlässt.

 

Der richtige Name!


Das entscheidende ist der Name Deiner Gruppe. Er sollte stark positiv besetzt sein und eine polarisierende Wirkung haben. Es muss bei jedem ausserhalb der Gruppe das Gefühl hochkommen: Ich will da rein!

Ganz gut funktionieren Selbstzuschreibungen, die die ohnehin vorhandene Identität noch leicht überhöhen.  Gute Attribute sind zB.

  • bei Konservativen - Wertkonservative,
  • bei Liberalen - die Progressiven,
  • bei Modernen - die Fortschrittsdenker,
  • bei Sozialen, die Menschenfreundlichen.
Besser funktioniert das ganze noch, wenn Du die Attribute mit Begriffen, die eine größere Gruppe beschreiben kombinierst.

Verwende zum Beispiel: Plattform, Flügel, Gemeinschaft. Vermeide mit Engheit verwandte Begriffe, wie: Zirkel, Gruppe, Kreis.

Hier ein paar bewährte Beispiele:

  • Gemeinschaft der Menschenfreunde
  • Wertkonservative Plattform
  • Progressiver Flügel


Aufnahme von Mitgliedern!


Du musst den Aufnahmeprozess für Deine Gruppe so gestalten, dass er exklusiv wirkt. Mach ein Geheimnis drum! Verwende ggf. "den hohen Verwaltungsaufwand" und "den riesen Ansturm" als Mittel, diese Exklusivität zu unterstreichen!

Achte bei der Aufnahme darauf, dass möglichst nur Dir Wohlgesinnte in die Gruppe kommen und Kritiker draussen gehalten werden. Bewährt hat sich dafür das Konzept von Bürgen (Aufnahme nur, wenn Neumitglied zwei Bürgen aus der Gruppe mitbringt) und die Möglichkeit von Vetos.


Transparenz!


Nein, keine Angst! Jeder in Deiner Gruppe sollte sich verpflichten, dass alles was in der Gruppe gesagt wird, auch in der Gruppe bleibt. Störenfriede fliegen raus! Wenn es Probleme gibt, Du kümmerst dich drum! Wenn es Wünsche gibt, Du bist der Richtige! In der Gruppe kommunizierst Du mit den Ausreißern bilateral.

Du bist der Beschützer Deiner Schäfchen, sei Dir dessen bewusst!

Warum heisst dieser Abschnitt "Transparenz"? Nun, um Deine Gruppe zu schützen, benötigst Du auf der einen Seite Exklusivität. 
Auf der anderen Seite wissen die, die nicht zur Gruppe gehören ja nichts über die Gruppe.

Du solltest daher regelmässig Informationsbröckchen nach Aussen geben. Diese stärken das Bild: in Deiner Gruppe wird was ganz tolles gemacht, da ist Dynamik drin. Das erhöht dann auch das Wir-Gefühl der Gruppe. Und ausserdem wehrt es Kritiker ab, die Euch vorwerfen, ihr würdet nichts machen oder gar klüngeln.

Wehre Kritiker ab!


Wenn man sich eine Hausmacht aufbaut, ist es nur natürlich, dass dies Kritiker auf den Plan ruft. Grundsätzlich ist das ersteinmal ein gutes Zeichen, da es Dir anzeigt, dass Du auf dem richtigen Weg bist.

Lass Dich also nicht beirren!

Ein Vorwurf, der oft kommen wird, ist, wie oben schon erwähnt, der der Intransparenz. Neben den Informationsbröckchen, ist es eine gute Strategie, auf (vermeintliche) Angriffe auf die Gruppe hinzuweisen, und Deine Gruppe als Schutzraum für die Leisen und Schwachen darzustellen.

Wenn das allein nicht zieht, gib ein unbestimmtes Versprechen auf die Zukunft ab, die Gruppe für alle öffnen zu wollen, sobald bestimmte Rahmenbedingungen eingetreten seien. Diese Rahmenbedingungen müssen von Dir natürlich so diffus gestaltet sein, dass Du später nicht darauf festgenagelt werden kannst.

Manche Kritiker sind sehr hartknäckig. Versucht in der Gruppe herauszufinden, welche Themen seine Herzblutthemen sind. Arbeitet da einmal was aus, geht damit nach draussen und erklärt, nein, fragt, warum er die Gruppe kritisiert? Sie würde schliesslich sogar sein Thema bearbeiten, wo denn bitte seine Ausarbeitung wäre? Und ob es denn nicht wichtigeres (nämlich sein Thema) zu tun gäbe?

 

Sichere die Kommunikationshoheit!


Wenn Deine Gruppe eine bestimmte Größe erreicht hat, solltest Du beginnen, Dir die externe Kommunikation zu sichern.
Übergehe dazu einfach den bisherigen Vorstand und trete als Sprecher der Gruppe auf.

Wenn ihr die Gruppenmitgliedschaft pro forma auch für Nichtmitglieder Deines Vereins/Partei öffnet, sicherst Du Dir extra Legitimität (da du ja auch für diese mitsprichst, was der Vorstand ja nicht tun kann). Vor diesem Hintergrund ist es ganz nützlich, wenn Deine Gruppe Dich "demokratisch" gewählt hat. Denn wer will schon Demokratie infrage stellen?

So gehst Du mit anderen Machtmenschen um!

Betone den integrativen Charakter Deiner Gruppe, kündige Veränderungen an! Im Zweifel lade Deinen Gegenspieler ein, locke ihn mit wichtigen Aufgaben, biete  ihm Infrastruktur an, betone nach Aussen das Gemeinsame!

Letztlich muss Dir klar sein, derjenige ist genauso Machtmensch wie Du!

Wenn Du ihn also nicht bekämpfen kannst, umarme ihn! Zumindest solange es Dir nützt.

Versuche herauszufinden, welche Leute ihn supporten, umgarne Sie! Gewinne ihr Vertrauen!

Und irgendwann ist die Zeit gekommen. Vertrau auf Dich, Deine Instinkte, Deine Fähigkeiten!




Sonntag, 8. Dezember 2013

Kommentar zum Entwurf der Staatsregierung "Gesetz über die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und zur Änderung eines weiteren Gesetzes"

Vorwort


Im folgenden Beitrag kommentiere ich den Entwurf der Sächsischen Staatsregierung zur Neurregelung des Gesetzes über die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Der Entwurf wird am 2013-12-09 in der
43. Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien behandelt und findet sich im RevoSax unter der Drucksache 5/12505Seite öffnet in neuem Fenster

Eines vorweg, die PDFs des Sächsischen Landtags sind immer wieder defekt und sind damit nicht barrierefrei. Ich habe die og. Drucksache in einer OCR-ten Version in meiner Dropbox veröffentlicht (Sie sollte eigentlich auch mittels Screenreader lesbar sein, leider funktionierte die Zuordnung nicht so sauber, wie ich mir das vorgestellt hatte.)

Der Gesetzentwurf sieht im Kern zwei Änderungen vor. Zum einen soll die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) in einen Staatsbetrieb umgewandelt werden. Zum anderen soll die Ablieferung von Pflichtexemplaren neu geregelt werden.

Zu den Punkten im Einzelnen:

Umwandlung in einen Staatsbetrieb

Die SLUB soll laut Gesetzentwurf in einen Staatsbetrieb, Zitat: „Die SLUB soll als Staatsbetrieb
gemäß §26 SäHO geführt werden und hat ihren Sitz unverändert in Dresden.
“.

Interessanterweise lautet der §26 Absatz 1 der SäHO aber wie folgt:
§ 26 SäHO – Staatsbetriebe, Sondervermögen, Zuwendungsempfänger 
(1) Staatsbetriebe sind rechtlich unselbständige, organisatorisch abgesonderte Teile der Staatsverwaltung, bei denen wegen einer betriebs- oder erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Tätigkeit oder wegen des Absatzes ihrer Erzeugnisse besondere Bewirtschaftungsvorschriften gelten. Bei Staatsbetrieben ist ein geeignetes Aufsichtsorgan einzurichten. Das Nähere regelt das Staatsministerium der Finanzen.
Die SLUB ist in ihrem Kern eine Bibliothek, die, zumindest nach meinem Verständnis nicht, auch nicht in Teilen, erwerbswirtschaftlich ausgerichtet ist oder ausgerichtet werden kann. Dies unterscheidet sie zum Beispiel von der Deutschen Zentralbibliothek für Blinde, die zum Teil auch Verlagstätigkeiten für auf Sehbehinderte und Blinde spezialisierte Medien übernimmt und dort eine Ausrichtung als Staatsbetrieb eher sinnvoll war.

In der Begründung zum Gesetzentwurf wird angeführt, daß ein Hauptgrund für die Umwidmung zum Staatsbetrieb die Eröffnung der Möglichkeit der Hinwendung zur Doppik, statt Kameralistik sei und damit die SLUB ihre Betriebsplanungen eigenständiger übernehmen könne.

Doch diese Begründung ist mE. nicht haltbar. Wie das Beispiel der Deutschen Zentralbücherei zeigte, sind Staatsbetriebe nicht per se finanziell so selbstbestimmt, wie es von den Befürwortern suggeriert wird.

Zum anderen hat sich Sachsen auf der einen Seite gegen die Einführung der Doppik in seinen Landesverwaltungen entschieden, ergänzt aber die Kameralistik bereits um betriebswirtschaftliche Elemente, wie die bereits in der SLUB eingeführte Kosten-Leistungsrechnung.

Davon abgesehen könnte ich mir vorstellen, daß schon die ersten Verlage Gewehr bei Fuß stehen, die ihre Anwälte mit Hilfe des Urheberrechtes, genauer §52b:
§ 52b Wiedergabe von Werken an elektronischen Leseplätzen in öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven  
Zulässig ist, veröffentlichte Werke aus dem Bestand öffentlich zugänglicher Bibliotheken, Museen oder Archive, die keinen unmittelbar oder mittelbar wirtschaftlichen oder Erwerbszweck verfolgen, ausschließlich in den Räumen der jeweiligen Einrichtung an eigens dafür eingerichteten elektronischen Leseplätzen zur Forschung und für private Studien zugänglich zu machen, soweit dem keine vertraglichen Regelungen entgegenstehen. Es dürfen grundsätzlich nicht mehr Exemplare eines Werkes an den eingerichteten elektronischen Leseplätzen gleichzeitig zugänglich gemacht werden, als der Bestand der Einrichtung umfasst. Für die Zugänglichmachung ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

in Stellung bringen, den Text wörtlich auslegen und den Status der SLUB als öffentliche Bibliothek im Sinne des genannten Absatzes bezweifeln werden um so ihre Verhandlungsposition neu zu definieren und zu stärken.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind für mich daher keine Vorteile zu erkennen, die für eine Führung der Sächsischen Staats- Landes- und Universitätsbibliothek als Staatsbetrieb sprächen.

Anpassung der Pflichtaufgaben

Der oben genannte Entwurf ist aber nciht nur kritisch zu sehen. In §2 sollen die Aufgaben der SLUB an die Realitäten angepasst werden. Bisher sind folgende Aufgaben festgelegt:
  1. Sammlung, Pflege und wissenschaftliche Betreuung der wertvollen Bestände der sächsischen, nationalen und internationalen Literatur und Buchkultur sowie der Sondersammlungen, insbesondere der Musikquellen, Handschriften, Karten, stenographischen Schriften, Bild- und Tonträger;
  2. Beschaffung, Erschließung und Vermittlung der für Lehre, Forschung und Studium an der Technischen Universität Dresden sowie der zur Deckung des zusätzlichen wissenschaftlichen Bedarfs des Landes erforderlichen Literatur und anderer Informationsträger; 
  3. Umfassende Sammlung und Archivierung von Literatur, Bild- und Tonträgern über Sachsen sowie der in Sachsen erscheinenden ablieferungspflichtigen Publikationen (Pflichtexemplare);
  4. Erarbeitung der jährlich erscheinenden „Sächsischen Bibliographie“; 
  5. Anfertigung von Fotodokumenten aufgrund des Sammelauftrages; 
  6. Einrichtung und Betrieb einer „Landesstelle für Bestandserhaltung“;
  7. Bearbeitung des „Sächsischen Zentralkataloges“ als Leihverkehrszentrale aller sächsischen Bibliotheken; 
  8. Archivierung von ausgesondertem staatlichen Bibliotheksgut;
  9. Unterstützung der regionalen Arbeit der Bibliotheken und Informationseinrichtungen im Freistaat Sachsen;
  10. Mitwirkung in überregionalen Gremien.
Im neuen Entwurf  sind die Aufgaben etwas anders gestaltet. So spricht man in 1. nicht mehr von „Pflege und wissenschaftlicher Betreuung“, sondern von „Erhalt und wissenschaftlicher Erschliessung“, was einen deutlichen Fortschritt darstellt und dem wissenschaftlichen Anspruch nicht nur einer Universitätsbibliothek näher kommt.

Es wird statt von „wertvolle Bestände“ allgemeiner von „Medien“ gesprochen, welches die Aufgabe der Bibliothek damit allgemeiner fasst, als bisher und auch elektronische Medien mit einschliesst.

Der Punkt 2. bleibt unverändert. Der Punkt 3. wurde ergänzt um digitales: „in Sachsen erscheinenden ablieferungspflichtigen analogen und digitalen Publikationen (Pflichtexemplare);“.

Dieser Punkt ist ein absoluter Fortschritt und meines Erachtens längst überfällig, da viele Saxonica bereits heute nur in elektronischer Form erscheinen.

Gestrichen ist in einem weiteren Punkt die Mitwirkung in überregionalen Gremien. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar. Sachsen hätte es gut zu Gesicht gestanden an der Erarbeitung von gemeinsamen Standards im Bibliothekswesen mitzuwirken. Die Begründung für die Streichung ist mir nicht bekannt.
Auch wurde der Sächsische Zentralkatalog als eine Aufgabe der SLUB aus dem Entwurf gestrichen. Auch hier wäre ich auf Feedback gespannt.

Fazit


Alles in allem sehe ich einige gute Ansätze in dem neuen SLUB-Gesetzentwurf, aber eben auch Punkte, die meiner Einschätzung nach mit dem Rotstift der Staatsregierung in den Entwurf gekommen sind. Die Ausweitung auf digitale Medien war überfällig und stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar.

Ich bin gespannt, ob der Entwurf 1:1 durchkommt oder der Sächsische Landtag mit Augenmaß die Rechte und Pflichten der Sächsischen Staats- Landes- und Universitätsbibliothek an die Erfordernisse an eine moderne Bibliothek anpasst.




Donnerstag, 22. August 2013

Hürdenlauf Politisch aktiv sein – Hürde Kommunikationsoverload

By Eckhard Pecher (Arcimboldo) (Own work)
[CC-BY-2.5  (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5 )],
 via Wikimedia Commons

Politisch desinteressiert? Oder zu hohe Mauern?

Neben der Hürde der fehlenden Informationen, gibt es noch eine Reihe weiterer Hürden, vor denen man als politisch interessierter Mensch steht, wenn man aktiv werden will. 

Hürde Kommunikationsoverload

Um hier mal wieder meine Erfahrungen mit den Piraten ins Spiel zu bringen. Als ich anfing, gab es zwei Hauptmedien: die Mailingliste und das Wiki (und eine kleine Homepage).

Heute sind es gefühlt:
  • tausende Mailinglisten, 
  • zehntausende Wikiseiten, 
  • hunderte Pads, 
  • Liquidfeedback, 
  • lokale, regionale und überregionale Homepages, 
  • Twitter, 
  • Mumble,
  • Telkos, 
  • Squads, 
  • AGs, 
  • Crews, 
  • Tools, wie Wikiarguments, Openantrag, Trello, 
  • Portale des Bundes- und der Landesvorstände,
  • Presse,
  • interne Zeitschriften
  • Flyer, Broschüren
  • Podcasts
  • Streams
  • direkte Kommunikation
Jeder kommuniziert wie er kann und mag. Und für keinen ist mehr erkennbar, welche kommunizierten Inhalte sind wichtig, welche weniger. Welchen kann ich vertrauen? Was sind Gerüchte, was sind gesicherte Erkenntnisse? Gibt es Widersprüche?

Mein Tag hat 24h und nicht die ganze Zeit kann ich für die Bewältigung dieser Kommunikation aufbringen. 

Das Beispiel zeigte nur einen Auszug aus den Kommunikationmedien bei der Piratenpartei. Wenn ich mich mit Themen, wie Urheberrecht auseinandersetze multipliziert sich das noch einmal. Da gibt es dann Informationen der Lobbyverbände, von Kritikern, von anderen Parteien. Ich muß mich lokal, regional, überregional vernetzen, die Kommunikationsbeziehungen aufbauen, pflegen, bewerten.

Jedes dieser Kommunikationsmittel unterliegt eigenen technischen Beschränkungen, hat einen eigenen Kommunikationsstil, kennt unterschiedliche Umgangsformen und ist qualitativ und quantitativ höchst unterschiedlich.

Als wichtigstes Hilfsmittel hat sich bewährt, Kommunikationsmittel in synchrone und asynchrone zu unterteilen. 
Dringende Kommunikation über synchrone Medien, dann aber die Anzahl reduzieren (zum Beispiel der telefonische Kontakt).
Über asynchrone Medien tausche ich dann wichtige und nicht dringliche  Informationen aus. 

Und wenn das Rauschen in einem Kanal das Wissenswerte übersteigt, hilft nur noch Abschalten.

Die Hürde Kommunikationsoverhead kann jeder für sich nur durch Priorisierung nehmen. 

Organisationen können dies aber unterstützen.

Die Priorisierung funktioniert aber nur, wenn die wichtigen Nachrichten vom Rauschen nicht überdeckt werden. Dies geht, indem zB. Ankündigungs-Mailinglisten für wichtige Termine angeboten werden. 

Insgesamt sollte eine Organisation die Zahl der verschiedenen Kommunikationsarten begrenzen. 

Hilfreich ist auch, sich auf eine Netikette zu verständigen und diese zu leben. Für den Nutzer muß erkennbar sein, welcher Kommunikationskanal für welche Zwecke geeignet ist (was wird kommuniziert) und  wie er genutzt wird (Regeln des Miteinander).

Mittwoch, 21. August 2013

Hürdenlauf Politisch aktiv sein – Hürde fehlende Informationen

By Eckhard Pecher (Arcimboldo) (Own work)
[CC-BY-2.5  (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5 )],
 via Wikimedia Commons

Politisch desinteressiert? Oder zu hohe Mauern?

Immer wieder hört man, daß die Bevölkerung unpolitisch sei. Die Jugend interessiert sich nicht für die Themen der Zeit und die Alten, denen ist mittlerweile auch fast alles egal.

So in dieser Pauschalität ist die obige Aussage nicht richtig. Dennoch steckt ein Fünkchen Wahrheit drin.

Ich selbst würde mich als schon immer an Politik interessiert, und in den letzten Jahren auch als politisch aktiv bezeichnen. Doch gerade die letzten 7 Jahre haben mir klar gemacht, daß um den Schritt von politisch interessiert zu politisch aktiv, oder vereinfacht: vom interessierten zum mündigen Bürger zu gehen, etliche Hürden zu überwinden sind.

In der folgenden Blog-Reihe seien einige dieser Hürden genannt und vielleicht gelingt es mit der Auseinandersetzung mit diesen Hürden den Weg für einen freien, selbstbestimmten und mündigen Bürger zu ebnen. Ein Versuch wäre es wert.

Hürde fehlende Informationen


Interessiere ich mich für ein bestimmtes Thema, sei es Urheberrecht oder Städtebau, so liegt die erste Hürde darin Gleichgesinnte zu finden. Als ich 2007 bei den Piraten anfing, hatte ich mich ein viertel Jahr vorher kundig gemacht, wer diese Leute sind, wie sie ticken, was sie machen. Hilfreich war für mich der einprägsame Namen und die Berichterstattung durch Heise und Co., welche über die Gründung der Piratenpartei und deren schwedisches Vorbild berichtet hatten.

Doch auch noch ein Jahr nach Eintritt bei den Piraten hatte ich immer noch Probleme,  Ansprechpartner vor Ort zu finden. Ich wusste schlicht nicht, wie diese Truppe funktionierte. Also als Organisation. Meines Erachtens ist dies auch auf andere Organisationen übertragbar. Sich hereinfinden braucht Zeit.

Aber nicht nur das Erkennen, wie der Hase in einer Organisation läuft, ist eine Hürde der man sich stellen muß. Auch wenn man sich neu in ein Gebiet hineinfuchst, braucht es Zeit zu verstehen, was verläßliche Quellen sind, wo man verständliche Einführungen findet. Wer mit welchen Interesse das Gebiet beackert.
Oft hat man zu wichtigen oder relevanten Informationen keinen direkten Zugang und erschliesst sich über Dritte nach und nach den Zugriff.

Das Internet hat schon sehr viel dazubeigetragen, daß man die benötigten Informationen  oder Ansprechpartner schneller findet. Twitter zum Beispiel ist ein Kommunikationskanal, der dann sehr gut funktioniert, vorausgesetzt, man kennt die Hashtags für sein Thema oder hat genug Follower für Followerpower.

Um die Hürde Fehlende Informationen abzubauen ist es notwendig, möglichst zentral alle Informationen uneingeschränkt zugänglich zu halten. Unterstützung für Wikipedia, Twitter, Blogs und Suchmaschinen sind da hilfreich.
Zugänglich heißt hierbei nicht nur öffentlich, sondern auch auffindbar, strukturiert, verständlich und (weiter-)benutzbar.

Samstag, 11. Mai 2013

Ich liebe diese Partei!

Liebe Piraten,

obwohl ich diesmal leider nicht beim Bundesparteitag 2013.1 in Neumarkt dabei sein kann, verfolge ich jedoch alle Debatten vor Ort. Alle GO Schlachten zehren ebenso an mir, als säße ich neben Euch! Und das Auf und Ab der Gefühle beim Zuschauen über Stream oder mitfiebern via Twitter macht mich genauso erschöpft, wie Euch, die ihr vor Ort seid!

Auch wenn ich nicht direkt dabei bin, so sind die Piraten in meiner Familie und in meinem Freundeskreis gerade dieses Wochenende Gegenstand vieler Diskussion und eines muß ich Euch sagen, ihr rockt!

Ich bin so stolz auf Euch, die ihr mit Leidenschaft streitet, die ihr alles in die Waagschale werft, weil ihr von etwas überzeugt seid, weil ihr brennt!

Ich brenne mit, und dieses Feuer ist es, welches mir die letzten Monate gefehlt hat!

Dafür ein dickes Danke! Ein Danke, an jeden einzelnen von Euch! Dieser Bundesparteitag, auch wenn für einige der eine oder andere Punkt nicht so abgestimmt werden wird, wie ihr es für angemessen haltet, dieser Bundesparteitag ist Klasse!

Ihr habt Euch alle weiterentwickelt und alleine, daß die wunderbare Versammlungsleitung den Mut hat, trotz oder gerade wegen hitziger Debatten den Parteitag zu unterbrechen, zeigt, wie weit wir uns entwickelt haben!

Nehmt den Lauer, der zwar immer noch rumzickt, wenn ihm was nicht in den Kram passt, der dennoch um soviel reifer wirkt, als vor ein paar Jahren!

Schaut Euch dieses verrückte Partei an, wo Leute am späten Abend in einen öffentlichen Stream Vogonengedichte und das Trololo-Lied zum Besten geben und dies von unserem wahnsinnigen Protokollanten Drahflow Silbe für Silbe in Echtzeit mitgeschrieben wird! Wo gibt es das sonst?

Liebe Piraten, ihr seid eine Partei, die so bunt und so schräg und so liebenswert ist, daß man gar nicht anders kann, als sich hinzusetzen und diese Zeilen zu schreiben!

Ich bin froh, Teil dieser Partei zu sein und hoffe, daß ihr den morgigen Tag so gut über die Bühne bringt, daß ich auch noch am Montag es nicht bereuen werde diese Zeilen geschrieben zu haben!

Danke! :)

Freitag, 15. Februar 2013

Gamification - Ihr seid gefragt!

Warum Gamification

In meinem letzten Beitrag »Ab jetzt wird wieder in die Hände gespuckt!« habe ich die Idee von Gamification vorgestellt.

Da es dazu viele Rückfragen und Anmerkungen gab, möchte ich hier nochmal vorstellen, um was es geht. Gamification wird gut in dem Artikel bei Wikipedia erklärt. Kurz, es geht darum, daß wir die Bierernstigkeit und das krampfhafte der letzten Monate endlich hinter uns lassen.

Es geht nicht darum, aus den Piraten eine Spaßpartei zu machen, sondern darum, selbst bei allem wieder Spaß und Freude zu empfinden. Es geht darum, die Melodie der Politik in Dur und nicht in Moll zu spielen. Das Verbissene hinter uns zu lassen.

Nur, wenn wir wieder unverkrampft an den Infoständen stehen, wenn wir nicht nach Medienberichten und Prozentzahlen schielen, wenn wir lieber unser Ding machen, weil es unser Ding ist und weil wir es auf unsere Art und Weise, mit Freude und Liebe machen, dann kriegen wir das auch mit Bundestagswahl hin.

Da draußen braucht es nämlich keine weiteren Politiker mit Stock im Arsch. Da braucht es frischen, kräftigen Wind, der auch mal durch vermiefte Ecken huscht.

Was bedeutet also Gamification von »Politik machen« für uns, wie können wir das schaffen? Eigentlich einfach, stellt Euch vor, alles was ihr tut, könnte ein cooles Spiel sein. Es geht vordergründig nicht um Wettbewerb. Auch wenn man das anhand meines Beispiels »Pressecounter« aus letzten Beitrag annehmen könnte.

Versucht statt Wettbewerb eher den kreativen Gedanken zu übernehmen!

Übrigens ist die Idee von Gamification bei uns nicht neu, siehe Twitter-Meldung:
 12 Okt
Könnte man dieses Spielprinzip irgendwieTM bei anwenden um die Performance hochzuschrauben?

Oder dieser hier:
Zu wenige nutzen Liquid Feedback. Ich bin für Gamification. Politik muß Spaß machen
Für weiterführende Artikel zu Gamification, hier noch ein paar Links:
  1. Stumbled across this really great presentation on "gamification" and design pitfalls therein:
  2. Das Leben ist ein großes Spiel! Die taz über Gamification und wie dies Arbeit und Leben erleichtert. http://bit.ly/qIryZS

Hier ein paar Beispiele von mir, wie Gamification bei uns Piraten aussehen könnte. Wenn ihr weitere Beispiele habt, schreibt Sie in das folgende Pad:

http://piratenpad.de/p/JetztWirdWiederInDieHaendeGespuckt

Beispiele:

  1. Bei euch auf dem Lande nerven die alten Politiker? Geht auf Kegelbahn, beklebt Pins mit Photos und kegelt sie weg!
  2. Bei euch gibt es zwei Lager? Veranstaltet offiziösen Tauziehwettbewerb, ruhig einmal pro Monat!
  3. Eure Piratenflyer sind nicht gefaltet? Holt Euch Schaumküsse, teilt in kleine Stapel, pro zuerst gefalteten Stapel e. Kuss
  4. Du wirst von anderen Piraten vollgenölt, weil was in die Hose gegangen ist? Spielt: schwarzer Peter!
  5. Ihr könnt zeichnen? Wie wäre es mit einem Piratentroll Quartett?
  6. Der BuVo kotzt euch wieder mal an? Schreibt eine BuVo Weitwurf App! Ihr seid doch fähige Piraten!
  7. Nutzt eure Rollenspiel Erfahrung und macht aus Aufgaben Piraten-Quests!
  8. Ihr müsst auf Land Piraten Plakate aufhängen? Wie überrascht wärd ihr, wenn an GPS Koord. e. kühles Bierchen zu finden ist?
  9. Ihr seid als Piraten auf öder Talkshow eingeladen? Spielt Politbingo! :-)
  10. Eure Piraten Flyer sind gedruckt und, oh Schreck!, ein Fehlerchen! Geht auf Passanten zu, lasst sie den Fehler finden! (Idee von Piraten Mittelsachsen zum Tag der Sachsen entwickelt)
  11. Bei euren Arbeitstreffen gehen die Stillen und Leisen verloren? Werft Würfel! Pirataergerdichnicht
  12. Auf Strasse, sprecht Passanten auf Piraten an, schiesst Foto von euch, und ihr geht vielleicht mit Titel "Charmbolzen" nach Hause :-)
  13. Ihr habt im KV 'nen Troll, u. immer wieder dreht sich alles um ihn? Macht Spiel "Verflixter Troll" daraus! Spende, wenn genannt
  14. Am Infostand: Erkläre "Transparenz" ohne Begriff selbst und ohne "Glas" zu benutzen

    Freitag, 8. Februar 2013

    Ab jetzt wird wieder in die Hände gespuckt!

     

    Piraten! 

    Das wir zur Zeit ein paar Probleme haben, ist Euch sicherlich schon  aufgefallen. Nach einem längeren Gespräch mit @d1etpunk (Phlo) haben wir zwei Punkte ausgemacht, warum wir es nicht schaffen aus der Negativstimmung herauszukommen.
    Original von Gedankenstücke, cc by sa

    Im folgenden findet Ihr eine kurze Analyse der Probleme mit Vorschlägen zu deren Behebung. Das ist nicht der Weisheit letzter Schluss, und nicht jeder mag der Analyse zustimmen. Aber das ist egal, denn jeden von uns kotzt der Status quo an und das müssen wir drehen!

    Problem 1, Das fehlende uns einigende Moment


    IMHO ist unser Hauptproblem, dass wir uns nur mit uns selbst beschäftigen. Jeder zieht in eine andere Richtung, aus Angst, die Piratenpartei könnte in die falsche Richtung driften. Und genau dies führt zu Spannungen und bringt die Partei zum zerreißen.

    Als ich mit Phlo gesprochen habe, ist uns aufgefallen, dass wir in fast allen Programmpunkten irgendwo miteinander streiten könnten.  Aber wir tun es nicht, und wisst ihr warum? Weil uns diese Partei wichtig ist, weil wir wissen, dass wir (Achtung! Nautische Metapher!) in einem Boot sitzen.

    Nicht, dass ihr das falsch versteht, wir streiten uns schon und manchmal schreien wir uns auch an. Aber wir können uns danach auf ein Käffchen oder ein Bierchen treffen und alles ist okay. Wir trennen schlicht Politik und Privates. Wir wissen: Hey! Es ist nur Politik!

    Wenn wir uns einordnen müssten, wäre Phlo vermutlich zum "linken Flügel" und ich zum "liberalen Flügel" dieser Partei zuzuordnen. Und es sieht so aus, als lägen dort auch die großen Hauptströmungen, die zur Zeit die Partei auseinanderzureißen drohen. Aber nochmal: Hey! Es ist nur Politik!

    Lösungsvorschlag, das einigende Moment

    Aus dieser Erkenntnis schlage ich vor, den Konflikt um die Deutung unseres Programms zu kanalisieren. Wenn auf jeder Ebene, vor allem im Bund sich wöchentlich je ein Vertreter des "linken" und des "liberalen" Spektrums finden und jeweils genau einen Punkt des Grundsatzprogrammes aus ihrer Sicht kommentieren, zusammen unter Hilfe eines Moderators debattieren, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.
    Wir erreichen erstens, dass jeder intern wie extern über diese Debatten unsere Inhalte mitbekommt (und hey, wir haben geile Inhalte!).
    Und zweitens, wenn wir uns in der Diskussion darauf besinnen, das einigende Moment, also die Aspekte hervorzuheben, die sowohl von der
    einen, wie von der anderen Strömung geteilt werden, herauszustellen –
    nimmt dies die Schärfe aus der Partei.
    Und letztlich ergibt sich noch ein anderer netter Nebeneffekt, wenn auf einmal die Vorbereitungen auf die Debatte über Inhalte wichtig werden, verlieren Nebenschauplätze an Bedeutung.

    Problem 2: Der Spaß ist uns abhandengekommen


    Ein anderer Punkt, der sicherlich jedem aufgefallen ist, insbesondere denen, die schon länger dabei sind: Politik in dieser Partei macht seit ca. einem Jahr keinen so richtigen Spaß mehr. Wir sind zu einer Horde grantelnder Aktiven geworden. Oder wie ich es auf Twitter mal schrieb: "Wenn diese Partei sonst nichts erreicht haben wird, sie hat zumindest eine Menge Zyniker produziert."
    Doch, wenn wir alle stinkig sind, wenn es uns eigentlich keinen Spaß mehr macht, wie wollen wir dann da draußen die Bürger von uns und unseren Ideen überzeugen? Wo sind unsere coolen Aktionen? Betrinken wir uns auf Parteitagen, weil wir Spaß haben? Oder werden die Flaschen mittlerweile aus lauter Frust leergesoffen?

    Wir müssen da raus!

    Lösungsvorschlag, Gamification

    Als Idee schlage ich vor, aus allem ein Spiel, eine Art Hogwarts House of the year-Spiel für Politik zu machen. Es braucht nicht viel. Wir können die Rivalität zwischen LVs und Bund dafür nutzen.

    Ein Beispiel: Pressecounter


    Die Regeln:
    • jeder LV und auch der Bundesvorstand ist eine Mannschaft. 
    • es zählen nur Berichte über Aktionen(!), die sich auf das Bundesprogramm beziehen
    • es gibt +10 Punkte für jede positive Erwähnung in den Medien, als Beleg zählt Screenshot der Zeitung, oder Link auf Artikel
    • es gibt +50 Punkte, wenn in der positiven Erwähnung ein Bild von der Aktion steht
    • es gibt -100 Punkte für jede negative Presseerwähnung, die eine Mannschaft produziert

    Der Counter wird wöchentlich aktualisiert. Deadline ist
    Bundestagswahl. 
    Die beste Mannschaft darf sich ein Jahr lang "Coolste Piraten Deutschlands" nennen. :)

    Alles kann ein Spiel werden!


    Lasst uns versuchen, aus allem ein Spiel zu machen, denn wenn wir Spaß haben, macht Politik Spaß. Und wenn Politik Spaß macht, können wir die Menschen da draußen von uns überzeugen. Wir können ein Spiel daraus machen die Grünen, die Linke, die SPD, die CDU/CSU, die FDP zu reizen. Wir können einen Counter für Infostände machen. Eure Kreativität ist gefragt!

    Macht ihr mit? Wenn ja, verbreitet diesen Post, ergänzt ihn und fragt Euch, wie kriegen wir die Stimmung bei uns Piraten ins Positive gedreht?!

    Ich danke Euch und frei nach Bob: "Jo, wir schaffen das!" :)
    Danke an alle, die geholfen haben, diesen Beitrag zu verbessern. Es waren eine ganze Menge. Danke!