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Sonntag, 29. Juni 2014

Denn Sie ist sehr gut!

Ihr kennt Sie nicht. Noch nicht. :) Ihr Humor ist speziell, Sie ist ungeheuer engagiert und braucht all Eure Hilfe. Wenn ihr Sie unterstützen mögt und euer Interesse geweckt ist, könnt ihr mehr von Ihr unter der unten angegebenen Adresse lesen.  Das Interview entstand kurz nach der Kommunalwahl in Sachsen und ist IMHO besonders interessant direkt nach dem aBPT¹ zu lesen. Achja, unsere Spitzenkandidatin zur Landtagswahl in Sachsen ist Sie wohl, erm, irgendwie auch noch. ;)

Das Interview

 
Hallo Sandra!

Danke für das kurze Interview.

Am 25. Januar war ja die Aufstellungsversammlung bei der Du als Spitzenkandidatin der Piraten für die Landtagswahl gewählt wurdest. Ab wann hattest Du realisiert, daß dies tatsächlich passiert ist?
Das wurde mir noch am selben Abend bewusst. Ich fuhr mit einigen Piraten zurück nach Chemnitz und habe gerätselt ob ich meinem Chef von dieser Wahl zur Spitzenkandidatin erzählen soll. Die Antwort kam fast im Chor "Der liest das bestimmt Montag in der Zeitung!". 
Das war der Moment wo mir langsam zu Bewusstsein kam was jetzt auf mich zu kommt.
Die lieb gemeinten Ratschläge einiger anderer Piraten was von der Presse aus alles jetzt kommen kann und die Frotzeleien dass bald überall riesige Plakate von mir hängen, taten da sein übriges. 

Seit jenem Januartag ist viel Wasser die Elbe hinuntergeflossen. Die Partei ist schwerer Schieflage, etliche Mitglieder gefrustet und Wähler verlorengegangen. Wie hast Du diese letzten Monate erlebt? Was hat Dich positiv überrascht?

Schon bei meiner Rede habe ich darüber geredet, dass wir uns in dieser Partei viel zu selten mit der Aussenwelt beschäftigen und viel zu häufig mit uns selbst. Die meisten von uns sind eingetreten, weil wir die Politik verändern wollten. Leider vergisst die Bundespartei das in letzter Zeit fast chronisch. 
Jedem Gate, jedem Skandal wird hinterher gerannt. Jeder der etwas macht, wird  gnadenlos unkonstruktiver Kritik ausgesetzt bis niemand mehr etwas tun will. 
Diese Demotivation von wirklich tollen Menschen überschreitet manchmal Grenzen die mich wirklich wütend machen und die mich an der Partei zweifeln lassen. 
Entschuldigt werden die schlimmsten Ausfälle mit den Worten "Aber DIE haben doch was viel schlimmeres getan.".
Wenn wir da nicht raus kommen, werden wir nie Ruhe in die Situation bekommen. 
Doch es gab auch definitiv Lichtblicke. 
Einige kamen von direkt von Wählern die uns unterstützen. Es kamen nicht nur  Kommentare zu unserer Chaospartei, sondern ebenso viele die mir und anderen Kraft wünschten um den Einzug in den Landtag zu schaffen und dort die Politik aufzumischen.
Die sächsischen Piraten helfen ausserdem dabei, mir neue Motivation zu geben. 
Die meisten unterstützen mich tatkräftig und achten wirklich auf jede Regung um mir immer wieder zu zeigen, dass es reichlich gute Dinge bei den Piraten gibt, für die es sich immer lohnt mit voller Kraft zu kämpfen.

Letztes Wochenende waren ja die Kommunalwahlen und Wahlen zum Europäischen Parlament. Wie bewertest Du das Abschneiden der Piratenpartei?

Ich freue mich für diejenigen die den Einzug und die Stadt- bzw. Kreisräte geschafft haben. Ich freue mich natürlich auch für Julia Reda.
Ehrlicherweise bin ich dennoch enttäuscht wie wenig Wähler wir mobilisieren konnten. 
Wir haben einige Fehler der Bundestagswahl wiederholt. Wir haben teilweise versucht die Materialschlacht anderer Parteien zu toppen. Nur waren wir somit mehr damit beschäftigt Plakate aufzuhängen, Flyer zu verteilen und Infostände zu organisieren.
Uns ging sowohl der Spass an unserer Politik als auch ein Stück Zusammenhalt verloren, weil sich alle zu sehr bemühten Erwartungen gerecht zu werden. 
Das wird bei der Landtagswahl komplett anders.

Was ist Deine Meinung zu Wahlplakaten allgemein? Überflüssig? Notwendig?

Wir haben leider zur Kommunalwahl relativ spät Plakate bekommen und da wurde mir bewusst, dass wir Plakate tatsächlich hängen müssen. Ich wurde von mehr als einem Menschen auf die fehlenden Plakate hingewiesen. Zwar gehen einzelne Plakate in der Flut meist unter, aber wenn eine Partei gar keine hängt, existiert sie bei den meisten für diese Wahl gar nicht. 
Es war wirklich erschreckend wieviele fragten ob es die Piraten überhaupt in der Stadt gibt. Erst mit den ersten Plakaten kamen Fragen zu unseren Kandidaten und unserem Programm. 
Insofern, würde ich Plakate tatsächlich als notwendig bezeichnen auch wenn mir das bis zu unserer Kommunalwahl nicht klar war.

Während des Wahlkampfes warst Du sehr aktiv. Was hat Dich motiviert?

Ich war während der Unterschriftensammlung sehr aktiv. Mir war wichtig zumindest eine Chance zu haben, überhaupt Wahlkampf machen zu können. Da waren es wieder die Gespräche die halfen ein ums andere Mal direkt vor dem Rathaus zu stehen und vollkommen fremde Menschen um Ihre Unterschrift zu bitten. Bei typischen Piratenwählern stieß man doch oft auf Stirnrunzeln, dass sie all Ihre Daten handschriftlich notieren mussten und nicht sicher wussten wohin diese dann gehen. Aus reiner Sympathie und zu unserer Unterstützung, unterschrieben sie dennoch.
Während des konkreten Wahlkampfes, war ich eher Flyer verteilen. 
Hierbei muss ich 2 wirklich starke Piratinnen aus Chemnitz nennen, Piru und Kattenevare (beide Stadtratskandidatinnen) die im Alleingang Tausende von Flyern verteilten. Diese beiden haben sicher die größten Stapel in ganz Chemnitz verteilt und waren auch für Infostände immer bereit.

Auf der Straße und in Gesprächen hast Du viele Anregungen mitgenommen.
Welche Punkte sind Dir am besten in Erinnerung?

Das häufigste Kommentar war "Ich will wissen was die da machen.".
Es ist meist schwierig Menschen für Politik zu begeistern. Wenn sie dann jedoch Interesse haben und heraus finden wollen was mit Ihren Wahlstimmen passiert, ist der Zugang zu diesen Informationen teilweise erschwert. 
Entweder sind Informationen über den Aufbau und die Arbeit in Parlamenten gut versteckt auf verschiedenen Homepages oder gut auffindbar aber dafür in einer Art und Weise beschrieben, die nur schwer das Interesse aufrecht erhält. 
Es ist keine wirkliche Hilfe ein 50 seitiges Pamphlet zu bekommen, wenn man eigentlich erst einmal einsteigen will. Eine Sprache die für Insider klar ist, die für den Bürger aber ein Buch mit sieben Siegeln darstellt, zeigt auch nicht unbedingt Bürgernähe.
Ich hoffe dies im Landtag, gemeinsam mit anderen Fraktionen, anpassen zu können. 
Das ist aber nur ein Punkt. 
Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen der Städte, der dringende Wunsch nach mehr angeboten um Jugendliche und junge Erwachsene in Sachsen zu halten und der allgemeine Verdruss als Bürger viel zu wenig mitbestimmen zu dürfen, sind ebenfalls sehr häufig thematisiert worden. 
Deswegen ist es umso verwirrender, dass die Piraten so wenig Stimmen haben. 
Denn das sind alles Punkte an denen wir ansetzen und in Zukunft auch den Landtag aufmischen wollen.
Zur Landtagswahl in Sachsen wird den konservativen und rechten Parteien
ein Stimmenzuwachs vorausgesagt. Wie erklärst Du Dir diesen Zulauf?
Fehlende Bildung im gesellschaftlichen Bereich stellt dabei ein großes Problem dar. 
Wir ignorieren im Bildungsbereich nahezu alle Faktoren die zu mehr Toleranz führen. 
Wir haben EU Büros in ganz Sachsen die vollkommen unterbesetzt sind, obwohl gerade die in der Lage wären für Austausch im Jugendbereich zu sorgen. Gerade diese haben Mittel um Themen wie Europa und Migration zwischen europäischen Ländern zu thematisieren. 
Die teilweise antiken Schulbücher sind auch ein Problem. Wie soll ich einem Menschen erklären, dass Migration und zum Beispiel auch Regenbogenfamilien etwas absolut normales sind, wenn in Schulbüchern immer nur Klaus und Karla mit Ihren Eltern Mathe-/Englisch oder Deutschaufgaben lösen. Es sind kleine Dinge die durch Ihre Selbstverständlichkeit zu mehr Aufklärung und Verständnis führen könnten. 
Auch an diesem Punkt spielt das Unwissen über politische Prozesse eine Rolle. Es ist leicht etwas abzulehnen dessen Sinn man nicht erkennt und das in Medien, zum Beispiel durch die Finanzkrise, monatelang in negativen Licht dargestellt wird. 
Dabei  geht die Kritik nicht an die Medien, welche nur Ihre Arbeit machen, sondern an die Regierung die es versäumt hat dieser Wut und der Ablehnung mit klaren Antworten begegnen. Die fehlenden Antworten konnten Parteien wie die AfD sehr gut nutzen um Ihre Antworten, die am rechten Rand verwurzelt sind, als allgemein gültige Wahrheit immer wieder in die Bevölkerung zu tragen. Ich gehe  jedoch davon aus, dass noch eine Ernüchterung gegenüber dieser Partei erfolgt. 
Die AfD agiert bereits jetzt wie alle anderen etablierten Parteien in Sachsen. Klüngeleien, Obrigkeitshörigkeit und ein "starker" Vorzeigepolitiker werden die sächsische Bürger sicher nicht für immer über die inhaltslosen und teilweise menschenverachtenden Aussagen der AfD hinweg täuschen.
Zurück zu den Piraten. Wie schätzt Du die programmatisch-inhaltliche Arbeit der Piraten Sachsen ein? Was wäre zu verbessern? Was läuft gut?
Entschuldige aber ich weiss echt nicht, was das mit der Wahl zu tun hat und würde das mal zurück stellen. Da brauchts mehr Platz.^^
Wenn Du wählen müsstest, Enterprise oder Magnetschwebebahn?
Enterprise!
Ich sehe im Bau einer Enterprise wesentlich mehr Potential für die Forschung in Sachsen und weitergehende Entwicklungen als im Bau einer Magnetschwebebahn.
Bei realistischer Betrachtung dürften die Piraten die 5% Hürde zur Landtagswahl mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht reißen. Weshalb sollten die sächsischen Wähler Dich trotzdem unterstützen? 

Ich würde es nicht realistisch nennen, sondern "nach jetziger" Sicht. 
Wir haben noch 3 Monate vor uns und einfach mal absolut nichts zu verlieren. 
Wir sind in derselben Lage wie 2009 die Berliner Piraten. 
Wir können uns erlauben auch verrückte Dinge zu tun und unsere Kreativität, die definitiv vorhanden ist, voll ausleben. Ich bin ziemlich gespannt mit was für Ideen die sächsischen Piraten aufwarten werden. 
Ich erhoffe mir vor allem, dass wir endlich wieder Spass auch im Wahlkampf haben und ihn nicht mehr als blose Pflichtübung sehen. So eine Sicht wird von den Wählern durchaus bemerkt und würde mich als Wähler auch abschrecken. 
Aus diesem Grund ist meine Devise derzeit:
Ich darf Spass haben am Wahlkampf und an der Politik und werde trotzdem ernsthaft für  unsere Themen kämpfen. 

Welche Unterstützung wünschst Du Dir von den Mitgliedern der Piratenpartei für die nächsten Monate?

Ich hoffe es werden mehr Piraten aktiv als zur Kommunalwahl. Selbst wenn es nur an einem Tag ist wo 20-30 Plakate gehängt werden, oder ein Veranstaltung wo eine Piratenfahne mitgenommen wird, all das wird eine Hilfe sein. 
Wenn jemand eine verrückte Idee hat, bitte ich denjenigen sich selbst Hilfe zu suchen und einfach zu #machen anstatt dies von anderen zu verlangen. 
Wir müssen damit aufhören alles bei vermeintlich Zuständigen abzuladen, wie dem LaVor und den Wahlkoordinatoren und anfangen mehr zu #machen. 
Gerade wenn wir kreativ sind, kann das den meisten Spass bringen. 
Ich würde mich freuen die Piraten in Sachsen im Wahlkampf von ihrer verrückten Seite zu sehen. Wir werden in Sachsen dringend gebraucht und wir sind toll! 
Also müssen wir das auch endlich zeigen. 
Ich danke für Deine offenen Worte und wünsche Dir viel Erfolg.

Wo ihr Sandra findet


Meistens versteckt sich Sandra hinter Arbeit. :) Im Ernst,  mehr über Sandra findet ihr unter http://sandrawiller.de/blog/, via Twitter unter @SandraWillerLTW  und der Geheimtip ist natürlich, ach!, das bekommt ihr selber raus :D

Wenn ihr helfen wollt, meldet Euch bei ihr oder mir. Wir freuen uns.

¹ aBPT - außerordentlicher Parteitag

Dienstag, 14. Januar 2014

Da fragen wir doch einfach mal die Hopis!

Vor kurzem war in der Leipziger Volkszeitung zu lesen, daß 4 von 10 Sachsen das Thema Bildung für das wichtigste bei der kommenden Landtagswahl halten.


Da viele der Piraten in Sachsen das Thema in der Vergangenheit eher stiefmütterlich betrachteten, hielt ich es für eine gute Idee doch einfach die zu fragen, die vielleicht am ehesten vom Thema Bildungspolitik betroffen sind.

Ich fragte die Studenten der Hochschul-Piraten (HoPis):
  • Dresden: hochschulpiraten@piraten-dresden.de
  • Chemnitz: piraten-hsg@tu-chemnitz.de
  • Leipzig:  info@hopis-leipzig.de
Am 3. Januar stellte ich per Email ff. Fragekatalog, der zügig  zum 11. Januar von allen angeschriebenen Gruppen beantwortet wurde.

Danke dafür!

Um die Antworten der drei HoPis aus Dresden, Leipzig und Chemnitz besser gegenüber zustellen unterteile ich diese im Folgenden in 13 Abschnitte.
Ich hoffe, daß dieser Beitrag die Diskussion nicht nur unter den Studenten, sondern auch allgemeiner anregt und würde mich über reichlich Feedback und Kommentare freuen.

Gefreut hat mich auch, daß viele der Antworten sehr tief ins Detail gingen.

1. Welches Thema hat Euch im letzten Jahr als Hochschulgruppe am meisten bewegt?



Leipzig:

Da wir uns auf ein Thema festlegen müssen, ist es ganz klar Edward Snowden und die damit einhergehende NSA-Spähaffäre. Noch nie zuvor wurden Gesellschaften derartig tiefgreifend und systematisch überwacht und noch nie zuvor reagierten Gesellschaften mit einer derartigen
Gleichgültigkeit. Es hat lange gedauert, bis überhaupt so etwas wie ein Diskurs in der Öffentlichkeit stattfand und das sich die "freie Welt" nach wie vor weigert, Snowden Asyl zu gewähren, läßt darauf schließen, daß noch immer nicht die Tragweite der Geschehnisse erkannt wurde. Wir haben
im vergangenen Jahr versucht, im Rahmen unserer Möglichkeiten ein öffentliches Bewußtsein dafür zu schaffen, u.a. durch die Teilnahme an den Demonstrationen vor dem amerikanischen Konsulat
und der Freiheit statt Angst, sowie kleineren Kunstaktionen.

Chemnitz:

Als wir noch was getan haben, war es das Hochschulfreiheitsgesetz.

Dresden:

  • Das Hochschulfreiheitsgesetz
  • Kürzungen und Studiengangsabschaffungen an der TU Dresden
  • Die Exzellenzbewerbung und -annahme der TU Dresden 

2. Welches Thema wird für Euch das bestimmende Thema dieses Jahres werden?

Leipzig:

Wir werden unseren Schwerpunkt dieses Jahr ganz klar auf das Thema Bildung legen.

Chemnitz:

Tut mir Leid aber am Anfang des Jahres ist das eher nicht abzusehen.
Evtl. HSFG noch weiter machen oder den neuen Studiengang (Grundschullehrerausbildung) mal zur Brust nehmen
und rausstellen wo überall Professuren klein gestrichen wurden um den noch aufsetzen zu können.

Dresden:

Studentische Mitbestimmung

3. In welchem Maße habt ihr Euch mit der sächsischen Hochschulpolitik auseinandergesetzt?

Leipzig:

Seitdem das sächsische Hochschulfreiheitsgesetz im September 2012 beschlossen wurde, begleiten wir seine Auswirkungen kritisch. Schwerpunkte setzen wir dabei auf:
  • die Austrittsmöglichkeit aus der verfaßten Studierendenschaft und
  • Studiengebühren für Studierende aus dem Nicht-EU-Ausland sowie Langzeitstudiengebühren
Im Rahmen dessen haben wir uns auch –bisher auf der theoretischen Ebene– mit Partizipationsmöglichkeiten im Zeitalter von Massenuniversitäten auseinandergesetzt.

Ein weiteres ständiges Thema sind der Hochschulentwicklungsplan (HEP) und die Zielvereinbarungen zwischen der Universität und dem SMWK. Hier vermeinen wir ein strukturelles Ungleichgewicht auszumachen, welches die sogenannte Hochschulautonomie ins Lächerliche zieht und die Hilflosigkeit seitens der Universität und ihr angehöriger Personen gegenüber dem SMWK unterstreicht.

Da wir eine anerkannte Arbeitsgruppe des StudentInnenRats der Universität Leipzig sind, unterliegen wir dem Anspruch, die Aufgabe der Studierendenschaft gemäß §24 (3) 1 des SächsHSFG mit zu realisieren: "Wahrnehmung der hochschulinternen, hochschulpolitischen, sozialen und kulturellen Belange der Studenten". Dies geschieht unsererseits größtenteils mittels Beteiligung an Demonstrationen, Vortragsreihen oder Workshops. Erwähnenswert sind hier u.a. unsere Vortragsreihe UrhR-Zeiten, in der wir uns mit den Auswirkungen des Urheberrechts auf die Gesellschaft und den Wissenschaftsbetrieb auseinandergesetzt haben, als auch unser Workshop "digitale Selbstverteidigung". Dabei versuchen wir sukzessive Hürden abzubauen und unsere Veranstaltungen so barrierefrei wie möglich anzubieten. Als ersten größeren Schritt haben wir damit begonnen, die Veranstaltungen zu streamen und die Aufzeichnungen auf unserer Homepage anzubieten.

Des Weiteren nehmen wir regelmäßig an den Plenen des StudentInnenRats der Universität Leipzig teil.

Chemnitz:

Ein wenig, HSFG, Fachschaftsratskram, sowas halt.

Dresden:

Verfolgen der Arbeit des Landtags / Gemeinsame Teilnahme an Demos
/Infostände /Mitarbeit in studentischen Gremien, der Mittelbauinitiative...

4. Wo seht ihr negative, wo positive Entwicklungen in der sächsischen Hochschulpolitik?

Leipzig:


Wir wären versucht zu sagen, daß die zaghaften Investitionen in die Bildungslandschaft positiv zu sehen sind. Allerdings ist dabei zu bedenken, daß die Hochschulen seit Jahren unterfinanziert sind, ein großer Run auf die Universitäten eingesetzt hat und die Landesregierung seit Jahren Mittelstreichungen (bspw. die Universitätsbibliothek) und Stellenabbau (angedrohte Schließung der Politikwissenschaft sowie Slawistik, Schließung der Pharmazie) betreibt. In diesem Lichte sind die derzeitigen Bemühungen geradezu lächerlich und ein Feigenblatt der Regierung, um vom eigentlichen Kahlschlag abzulenken. Damit ist zugleich auch unser erster Kritikpunkt benannt: Die Hochschulen in Sachsen sind unterfinanziert.

Unser zweiter Kritikpunkt umfaßt die unzureichenden Einflußmöglichkeiten auf die Zielvereinbarungen zwischen Universität und SMWK.

Chemnitz:

positiv:
  • gibts sicher noch mehr, ich überleg nochmal
  • TU Chemnitz: Einige wenige engagierte Profs die einen mitreißen
  • gute technische Ausstattung
negativ:
  • weniger Profs. für mehr Studiengänge
  • überfüllte Sääle oder zu wenig Kurse
  • verschiedene Tools zur Prüfungsanmeldung (derzeit 4 Arten, sollen noch mehr kommen)
  • immernoch Anmeldung einiger Prüfungen auf Listen mit Matrikelnummer, Name und manchmal Geburtsdatum; die werden dann durch die Reihen gegeben (einige fotografieren die ab, Datenschutz und so ;P)
  • wenig bis kein praktischer Bezug
  • keine Förderungen für Pflichtexkursionen (einige heben die bis zum 6. Semester auf, weil sie es sich am Mund absparen müssen)
  • HSFG gibt Sachsen hohe Mitspracheanteile in der angeblich unabhängigen Uni (Les dir das Ding mal durch...)

Dresden:

  • Negativ ist die Festschreibung der Kürzungen durch den Freistaat
    Sachsen sowie die nicht gegebene Planungssicherheit (nur ein
    Sockelbetrag wurde den Universitäten fest zugesichert, der Rest soll
    auslastungs- und drittmittelabhängig vergeben werden. Auch das Aushebeln der studentischen Solidarität durch die Ermöglichung eines Austritts aus der Studierendenschaft sehen wir kritisch; wir brauchen mehr studentische Mitwirkung - nicht weniger.
     
  • Postiv ist, dass die negativ Liste nicht noch länger ist.

5. Welches ist Eurer Auffassung nach, das dringendste Problem von Studenten unter dem Gesichtspunkt der Selbstbildung?

Leipzig:


Wir sehen in der Umstellung auf und aktuellen Ausgestaltung des Bachelor-Master Systems im Rahmen des Bologna-Prozesses ein massives Problem hinsichtlich der Selbstbildung. Die ursprüngliche Freiheit, auch eigenen Interessensgebieten nachzugehen und aktiv Schwerpunkte zu setzen, ist durch das Modulvergabesystem konterkariert worden. Bildung verkommt zusehends zu einem reinen Aspekt von Ausbildung. Umfangreiche Modulprüfungen, teilweise kombiniert mit Zusatzleistungen oder Prüfungsvorleistungen lassen keinen zeitlichen Raum, um über den Tellerrand schauen zu können. Menschen, die während ihres Studienverlaufs parallel arbeiten müssen, wird ein geregeltes Studium durch den überzogenen Workload, Seminarüberschneidungen und schlechte Kommunikation zwischen den einzelnen Fakultäten/Institutionen erschwert bis verunmöglicht.

Chemnitz:

  •  kein Geld für externe Zusatzausbildung sowie zu wenig Angebote in den Unis
  • zu viel Bulimie-Lernen dass anschließend sofort vergessen ist 

Dresden:

Mangelnde gesellschaftliche Absicherung. Verschlechterung der
Studiensituation durch zunehmende Verschuldung der Studenten. Zwänge zu Nebenverdiensten mit allen negativen Auswirkungen.

6. Wo seht ihr Probleme in der Heranführung von Gymnasiasten an den Uni-Alltag?


Leipzig:


Wir sind ja nun schon ein Weilchen an der Universität, meinen aber dennoch, daß der Übergang vom Schulsystem in das universitäre System nicht flüssig von statten geht. Der universitäre Alltag stellt mit der Fülle an Neuerungen hohe Anforderungen an jeden Studierenden im ersten Semester. Neben Aspekten wie der ersten eigenen Wohnung und Haushaltsführung, einer neuen Umgebung und neuen, unbekannten Menschen, gibt es an der Universität unzählige Institute, Ämter und Verfahrensweisen, die ein jeder erst kennenlernen und verinnerlichen muß. Besonders schwer haben es dabei Personen, die aus einem nicht-akademischen Umfeld kommen und die ohne jedwede Hilfestellung ihrer vertrauten Umgebung in den Mikrokosmos Universität eintauchen. Hier wäre auch seitens Verwaltung und ProfessorInnenschaft mehr Sensibilität wünschenswert.

Chemnitz:

Null...Uni ist mittlerweile wie Schule nur ohne Anwesenheitspflicht...

Dresden:

  • Zu wenig ansprechende Vorstellungsveranstaltungen der einzelnen
    Studiengänge
  • Verstärkte Beratungs- und Schulungsangebote zu Studienbeginn zum Thema Studienorganisation, Zeitmanagement, Prüfungs- und Stressbewältigung, Stundenplanbau...

7. Welche Ideen zur Verbesserung der Bildungspolitik seht ihr?

Leipzig:


Anpassung der Bildungsausgaben an einen realistischen Wert des BIP
  • eine neue Wertschätzungskultur bzgl. Bildung etablieren
  • Klärung der Frage: Was soll Bildung eigentlich erreichen? Selbstbildung? Ausbildung? Zumindest dann dürfte jeder wissen, woran er oder sie ist und die Fronten klar gezogen sein
  • gesellschaftliche In-Wert-Setzung von Bildung über ihren bloßen wirtschaftlichen Nutzen hinaus (z.B. durch Etablierung demokratischer Diskurs-, Verhaltens- und Partizipationskulturen im Umfeld der Hochschulen)

Chemnitz:

  • Mehr Lehrkräfte
  • direkter Praxisbezug /geht auch mit Praxisnahen Beispielen
  • finanzielle Hilfen für Studenten bei Pflichtmodulen (z.B. Pflichtexkursion)

Dresden:

  • Digitalisierung der Lehre, u.a.:
    • Verstärkter Einsatz von Open Learning Plattformen
    • Mehr Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen (vor allem Vorlesungen), um es allen zu ermöglichen, teilzuhaben, auch wenn sie zu der Zeit nicht können.
  • Technisch modernisierte Hörsäle.
  • Technische und didaktische Schulungen für Lehrpersonal im Umgang mit Präsentationsmöglichkeiten (wie funktioniert der Hörsaalcomputer, das Saallicht, mal nicht nur Powerpointpräsentationen usw.).

8. Oft ist Bildungspolitik Sparzwängen unterworfen. Welche Argumente habt ihr,    diesen Sparzwängen entgegenzutreten?

Leipzig:


Neben den reinen Verwertungsargumenten (Ausbildungsabschluß, mehr oder weniger berufliche Sicherheit, Bildungsrendite von etwa 10 %, gleich welcher Abschluß), erfüllt Bildung, soziologisch belegt, auch einen präventiven Charakter auf den Gebieten der Gesundheitsvorsorge, des Drogenkonsums und Kriminalität. Heutige Investitionen in Bildung verringern also die Kosten von Morgen und Entlasten andere Haushaltsetats maßgeblich.

Darüberhinaus sind wir der Meinung, daß ein angemessener Zugang zu Bildung der Selbstenfaltung des Menschen dient und ein jeder Mensch ein Grundrecht auf Entfaltung seiner Persönlichkeit hat.

Chemnitz:

Je mehr wir an der Bildung sparen desto wahrscheinlicher wandern uns Abiturienten in Länder ab in denen dies nicht so ist um eine bessere Bildung zu erhalten.
Wir arbeiten mit Wissenschaft und Forschung auch für die Zukunft von Sachsen und je mehr wir die Mittel dafür beschränken desto weniger kann mit innovativen Lösungen voran gegangen werden.

Dresden:

Bildung ist eine der Grundvorraussetzungen nicht nur für gesellschaftliche Teilhabe, sondern auch für Prosperität und Innovativität - wenn wir unser Bildungssystem kaputtsparen, belasten wir zukünftige Generationen mit enormen Kosten.

9. Was für Möglichkeiten seht ihr, daß Eure Uni in Eurer Stadt mehr an Attraktivität gewinnt?

Leipzig:


Wir sind der Meinung, daß die Universität Leipzig in der Stadt einen guten Ruf genießt. Denkbar wären allerdings ein attraktiveres Semesterticket, eine bessere Repräsentation der Interessen Studierender auf Kommunaler Ebene und mehr Koryphäen innerhalb des Lehrkörpers.

Chemnitz:

Chemnitz...da ist es nicht die Uni die einen runter zieht.

Dresden:

  • Rückkehr zur Volluniversität.
  • Räumliche Verdichtung des Campus.
  • Mehr "Verständnis" für nebenbei arbeitende Studenten. Die engmaschigen BA-Lehrpläne lassen Arbeit nur schwer zu.
  • Mehr Investitionen in Lehrpersonal.

10. Was für Möglichkeiten seht ihr, daß Eure Stadt in Eurer Uni mehr an Attraktivität gewinnt?

Leipzig:


Wir beobachten die Steigerung der Mietpreise und zunehmende Gentrifizierung einzelner Stadtteile mit Sorge. Hier sollten seitens der Stadt rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet werden, um dem stetigen Zustrom an Studierenden auch zukünftig gerecht werden zu können.

Chemnitz:

Wir haben bereits einen Vertrag der die Zusammenarbeit mit der Stadt regelt und der wird schlicht nicht genutzt.
Ich habe als Student ein ehrenamtliches Propjekt in Chemnitz gestartet und die waren überrascht überhaupt einen Studenten mal zu sehen.
Da sollte jemand von der Stadt einfach mal aktiv Werbung machen oder mit einem offenen Projekt an die Uni kommen und nach Unterstützung suchen.
Es gibt genug Studenten die das für den Lebenslauf gut finden würden und gleichzeitig Spass dran haben.

Dresden:

  • Verbesserung der ÖPNV- Angebote am Campus.
  • Bessere Studentenangebote, z.B. in Museen.

11. Wie schätzt ihr Eure Uni-Bibliothek ein?

Leipzig:


Abgesehen von den ständigen Kürzungen seitens der Landesregierung und dem daraus resultierenden Unsicherheiten bzgl. der Verfügbarkeit von Datenbanken, Zeitschriften und Publikationen, sehen wir die Bemühungen seitens der Universitätsbibliothek sich einem moderneren Verständnis von Bibliothek zuzuwenden positiv. Die Arbeitsplätze sind im Regelfall ausreichend, mit der zentralen, 24 Stunden geöffneten Campusbibliothek können nun auch Studierende mit weitreichenderen Verpflichtungen gemäß ihrer Zeitvorstellungen studieren und das offene Magazin sowie die Rückgabeautomaten beschleunigen so manchen Vorgang. Ein weiterer Pluspunkt ist die zunehmende Beschäftigung mit Open Access.

Chemnitz:

Hüstel, kein Kommentar. (Wenn du nichts nettes sagen kannnst, ...)

Dresden:

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek hat viel getan, um
mehr Arbeitsplätze zu schaffen, leider sind die Bemühungen in diesem
Bereich noch nicht ausreichend. Auch in der Digitalisierung und
Verfügbarmachung von Präsenzliteratur in elektronischer Form liegt die
SLUB weit hinter unseren Erwartungen.

12. Wieviele Mitglieder seid ihr aktuell?

Leipzig:


Wir sind derzeit im festen Kern 6 Personen und werden situationsabhängig von weiteren netten Menschen unterstützt.

Chemnitz:

Aktiv im Moment 0
Wieder aktivierbar: 3-5

Dresden:

Etwa sechs.

13. Wünscht Ihr Euch Unterstützung durch die Piratenpartei LV Sachsen? Wenn ja,     welche?

Leipzig:


Kurz: Nein. Als Arbeitsgruppe des StudentInnenRats der Universität Leipzig ist unsere Gruppe grundsätzlich offen für alle interessierten Studierenden der Uni Leipzig, aber auch anderer Hochschulen Leipzigs, sofern diese die Ziele unserer Gruppe teilen. Allein der Anschein von Abhängigkeiten wirkt unserer Meinung nach diesbezüglich abschreckend.
Sollten wir Bedarf sehen, wenden wir uns gerne an Einzelpersonen, jedoch nicht an die strukturelle Ebene einer Partei.

Chemnitz:

Die holen wir uns im KV, es fehlen nur im Moment die Mitglieder und die Ideen.

Dresden:

  • Das grundsätzliche Problem bei uns allen ist, dass wir bei so vielen
    anderen Dingen eingebunden sind, z.B. Vorstandsarbeit, und wir daher nur wenig persönliche Ressourcen zur Verfügung haben, um uns intensiv um die HoPis zu kümmern. Wir bräuchten einfach mehr Piraten, die bisher einfach nur Basispiraten sind und viel Energie mitbringen, um Aktionen zu planen und umzusetzen und auch um andere zu motivieren. Da kann uns der LV sicherlich wenig helfen.
  • Evtl. bessere Vernetzung der HoPis der einzelnen Städte, da das die
    einzelnen HoPi-Gruppen irgendwie nicht hinbekommen. ;)

Sonntag, 8. Dezember 2013

Kommentar zum Entwurf der Staatsregierung "Gesetz über die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und zur Änderung eines weiteren Gesetzes"

Vorwort


Im folgenden Beitrag kommentiere ich den Entwurf der Sächsischen Staatsregierung zur Neurregelung des Gesetzes über die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Der Entwurf wird am 2013-12-09 in der
43. Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien behandelt und findet sich im RevoSax unter der Drucksache 5/12505Seite öffnet in neuem Fenster

Eines vorweg, die PDFs des Sächsischen Landtags sind immer wieder defekt und sind damit nicht barrierefrei. Ich habe die og. Drucksache in einer OCR-ten Version in meiner Dropbox veröffentlicht (Sie sollte eigentlich auch mittels Screenreader lesbar sein, leider funktionierte die Zuordnung nicht so sauber, wie ich mir das vorgestellt hatte.)

Der Gesetzentwurf sieht im Kern zwei Änderungen vor. Zum einen soll die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) in einen Staatsbetrieb umgewandelt werden. Zum anderen soll die Ablieferung von Pflichtexemplaren neu geregelt werden.

Zu den Punkten im Einzelnen:

Umwandlung in einen Staatsbetrieb

Die SLUB soll laut Gesetzentwurf in einen Staatsbetrieb, Zitat: „Die SLUB soll als Staatsbetrieb
gemäß §26 SäHO geführt werden und hat ihren Sitz unverändert in Dresden.
“.

Interessanterweise lautet der §26 Absatz 1 der SäHO aber wie folgt:
§ 26 SäHO – Staatsbetriebe, Sondervermögen, Zuwendungsempfänger 
(1) Staatsbetriebe sind rechtlich unselbständige, organisatorisch abgesonderte Teile der Staatsverwaltung, bei denen wegen einer betriebs- oder erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Tätigkeit oder wegen des Absatzes ihrer Erzeugnisse besondere Bewirtschaftungsvorschriften gelten. Bei Staatsbetrieben ist ein geeignetes Aufsichtsorgan einzurichten. Das Nähere regelt das Staatsministerium der Finanzen.
Die SLUB ist in ihrem Kern eine Bibliothek, die, zumindest nach meinem Verständnis nicht, auch nicht in Teilen, erwerbswirtschaftlich ausgerichtet ist oder ausgerichtet werden kann. Dies unterscheidet sie zum Beispiel von der Deutschen Zentralbibliothek für Blinde, die zum Teil auch Verlagstätigkeiten für auf Sehbehinderte und Blinde spezialisierte Medien übernimmt und dort eine Ausrichtung als Staatsbetrieb eher sinnvoll war.

In der Begründung zum Gesetzentwurf wird angeführt, daß ein Hauptgrund für die Umwidmung zum Staatsbetrieb die Eröffnung der Möglichkeit der Hinwendung zur Doppik, statt Kameralistik sei und damit die SLUB ihre Betriebsplanungen eigenständiger übernehmen könne.

Doch diese Begründung ist mE. nicht haltbar. Wie das Beispiel der Deutschen Zentralbücherei zeigte, sind Staatsbetriebe nicht per se finanziell so selbstbestimmt, wie es von den Befürwortern suggeriert wird.

Zum anderen hat sich Sachsen auf der einen Seite gegen die Einführung der Doppik in seinen Landesverwaltungen entschieden, ergänzt aber die Kameralistik bereits um betriebswirtschaftliche Elemente, wie die bereits in der SLUB eingeführte Kosten-Leistungsrechnung.

Davon abgesehen könnte ich mir vorstellen, daß schon die ersten Verlage Gewehr bei Fuß stehen, die ihre Anwälte mit Hilfe des Urheberrechtes, genauer §52b:
§ 52b Wiedergabe von Werken an elektronischen Leseplätzen in öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven  
Zulässig ist, veröffentlichte Werke aus dem Bestand öffentlich zugänglicher Bibliotheken, Museen oder Archive, die keinen unmittelbar oder mittelbar wirtschaftlichen oder Erwerbszweck verfolgen, ausschließlich in den Räumen der jeweiligen Einrichtung an eigens dafür eingerichteten elektronischen Leseplätzen zur Forschung und für private Studien zugänglich zu machen, soweit dem keine vertraglichen Regelungen entgegenstehen. Es dürfen grundsätzlich nicht mehr Exemplare eines Werkes an den eingerichteten elektronischen Leseplätzen gleichzeitig zugänglich gemacht werden, als der Bestand der Einrichtung umfasst. Für die Zugänglichmachung ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

in Stellung bringen, den Text wörtlich auslegen und den Status der SLUB als öffentliche Bibliothek im Sinne des genannten Absatzes bezweifeln werden um so ihre Verhandlungsposition neu zu definieren und zu stärken.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind für mich daher keine Vorteile zu erkennen, die für eine Führung der Sächsischen Staats- Landes- und Universitätsbibliothek als Staatsbetrieb sprächen.

Anpassung der Pflichtaufgaben

Der oben genannte Entwurf ist aber nciht nur kritisch zu sehen. In §2 sollen die Aufgaben der SLUB an die Realitäten angepasst werden. Bisher sind folgende Aufgaben festgelegt:
  1. Sammlung, Pflege und wissenschaftliche Betreuung der wertvollen Bestände der sächsischen, nationalen und internationalen Literatur und Buchkultur sowie der Sondersammlungen, insbesondere der Musikquellen, Handschriften, Karten, stenographischen Schriften, Bild- und Tonträger;
  2. Beschaffung, Erschließung und Vermittlung der für Lehre, Forschung und Studium an der Technischen Universität Dresden sowie der zur Deckung des zusätzlichen wissenschaftlichen Bedarfs des Landes erforderlichen Literatur und anderer Informationsträger; 
  3. Umfassende Sammlung und Archivierung von Literatur, Bild- und Tonträgern über Sachsen sowie der in Sachsen erscheinenden ablieferungspflichtigen Publikationen (Pflichtexemplare);
  4. Erarbeitung der jährlich erscheinenden „Sächsischen Bibliographie“; 
  5. Anfertigung von Fotodokumenten aufgrund des Sammelauftrages; 
  6. Einrichtung und Betrieb einer „Landesstelle für Bestandserhaltung“;
  7. Bearbeitung des „Sächsischen Zentralkataloges“ als Leihverkehrszentrale aller sächsischen Bibliotheken; 
  8. Archivierung von ausgesondertem staatlichen Bibliotheksgut;
  9. Unterstützung der regionalen Arbeit der Bibliotheken und Informationseinrichtungen im Freistaat Sachsen;
  10. Mitwirkung in überregionalen Gremien.
Im neuen Entwurf  sind die Aufgaben etwas anders gestaltet. So spricht man in 1. nicht mehr von „Pflege und wissenschaftlicher Betreuung“, sondern von „Erhalt und wissenschaftlicher Erschliessung“, was einen deutlichen Fortschritt darstellt und dem wissenschaftlichen Anspruch nicht nur einer Universitätsbibliothek näher kommt.

Es wird statt von „wertvolle Bestände“ allgemeiner von „Medien“ gesprochen, welches die Aufgabe der Bibliothek damit allgemeiner fasst, als bisher und auch elektronische Medien mit einschliesst.

Der Punkt 2. bleibt unverändert. Der Punkt 3. wurde ergänzt um digitales: „in Sachsen erscheinenden ablieferungspflichtigen analogen und digitalen Publikationen (Pflichtexemplare);“.

Dieser Punkt ist ein absoluter Fortschritt und meines Erachtens längst überfällig, da viele Saxonica bereits heute nur in elektronischer Form erscheinen.

Gestrichen ist in einem weiteren Punkt die Mitwirkung in überregionalen Gremien. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar. Sachsen hätte es gut zu Gesicht gestanden an der Erarbeitung von gemeinsamen Standards im Bibliothekswesen mitzuwirken. Die Begründung für die Streichung ist mir nicht bekannt.
Auch wurde der Sächsische Zentralkatalog als eine Aufgabe der SLUB aus dem Entwurf gestrichen. Auch hier wäre ich auf Feedback gespannt.

Fazit


Alles in allem sehe ich einige gute Ansätze in dem neuen SLUB-Gesetzentwurf, aber eben auch Punkte, die meiner Einschätzung nach mit dem Rotstift der Staatsregierung in den Entwurf gekommen sind. Die Ausweitung auf digitale Medien war überfällig und stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar.

Ich bin gespannt, ob der Entwurf 1:1 durchkommt oder der Sächsische Landtag mit Augenmaß die Rechte und Pflichten der Sächsischen Staats- Landes- und Universitätsbibliothek an die Erfordernisse an eine moderne Bibliothek anpasst.




Samstag, 12. Oktober 2013

Mittelerde Treffen, Teil 1 – Review Wahlkampf

Ich war heute bei dem Treffen "Mittelerde" der Piraten. Die Veranstaltung war als Barcamp für interessierte Piraten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen angekündigt und von Tina Otten und Florian A. Unterburger "organisiert".

Meine Hoffnung war, daß man dort länderübergreifend und themenorientiert zusammenarbeitet und, ganz konkret bei dieser Veranstaltung, eine Aufarbeitung des Wahlkampfes der Bundestagswahl vornimmt, die zu einer Verbesserung der Vorbereitung und Durchführung der kommenden Landtagswahl in Sachsen führen würde.

Extra für den Tag hatte ich mich vorbereitet, Stunden gegenüber meiner Familie freigeschaufelt und, optimistisch gestimmt, auf Gleichgesinnte gehofft.

Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, daß die Veranstaltung den angekündigten Barcampcharakter nicht haben sollte und auch die Diskussion über den Zweck von Mittelerde eine ungute Wendung nahm, mehr dazu später im zweiten Teil…

Ich bin davon unabhängig auch sehr gespannt, ob und wie Ergebnisse des Treffens in Ergebnisse münden. Wie sagte heute ein anderer Teilnehmer aus Thüringen: "Das Treffen könnte man nächste Woche mit den gleichen Leuten nochmal machen und es würde genau das gleiche erzählt werden."

Möge er sich irren – die Hoffnung stirbt zuletzt. Hier mein "Protokoll":


Teil 1 – Review Wahlkampf


Die Veranstaltung fing ganz hoffnungsvoll an, weil Mark N. (Wahlkampfkoordinator Sachsen) einen kurzen Abriß lieferte, der durch Beiträge aus Anhalt und Thüringen ergänzt wurde.

Großes Thema waren zum einen die partielle Überforderung der Wahlkampfkoordinatoren, zum anderen die nicht funktionierende Kommunikation zu und von den Kandidaten, Mitgliedern und Vorständen.
Die akute Not Mitglieder zu motivieren mitzuhelfen, war ein weiterer großer Themenblock.

Anstatt jetzt genau an den Punkten anzusetzen, driftete die Diskussion in der Runde weg zu Detailfragen, die für sich genommen wichtig waren (zB. Wahlprüfsteine), die aber nicht lösbar sind, wenn die grundlegenden Probleme, die von Mark ua. ja angesprochen wurden, nicht in ihren Wurzeln analysiert werden.

Schrecklich fand ich, daß im folgenden die Diskussion zu schnellen Rezepten, wie "Wir brauchen Köpfe statt Themen", "Wir müssen Fläche eben mit Postwurf bedienen" oder "Dann müssen wir das eben so machen, wie die XY-Piraten, die haben 15 Prozent geholt" abglitt.

2009 hatten wir wenig Leute und noch weniger Geld. Aber wir hatten Leute, die höchst motiviert waren. Zur Bundestagswahl gab es aber zB. gewählte Kandidaten, die faktisch gar nicht in Erscheinung getreten sind.

Wir hätten eigentlich darüber reden müssen, wo es gelang Mitglieder zu motivieren im Wahlkampf mitzumachen und warum gelang es woanders nicht?
Wir hätten darüber reden müssen, warum waren die Wahlkampfkoordinatoren, Vorstände oder Kandidaten überfordert und wieso konnten die nicht entlastet werden? Und wo hat es geklappt?

Wir hätten darüber reden müssen, wieso die Kommunikation an mehreren Stellen hakte und wie könnte man dies zukünftig vermeiden?

Wir hätten darüber reden müssen, wie realistisch eine Materialschlacht mit Wahlplakaten zu planen und zu führen ist, wenn in Städten mit >100.000 Einwohnern nur 5-15 aktive Mitglieder gab?

Wir hätten darüber reden müssen, welche Fehler in der Themensetzung begangen wurden und warum diese passierten? Lag es an der Koordination? Wo hat es geklappt und warum?

Konnten Kandidaten irgendwo besonders gut punkten und warum? Wo gelang das nicht?

Aber genau diese Fragen sind unbequem. Wir alle hätten uns da Fehler eingestehen müssen…

Ich hätte mir gewünscht, daß wir mit Mittelerde eine Basis gelegt hätten, zukünftig diese Fehler zu erkennen, zu vermeiden und ein Signal in die anderen Verbände der Partei hätten senden können, aufzustehen, Staub abzuklopfen, sich Notizen machen, einen Schritt zurückzugehen um neue Wege zu finden.

Stattdessen sah es nach aufstehen, abschütteln, Anlauf nehmen und erneut gegen die Wand rennen aus.

Manchmal ärgert mich mein Anspruch an die Lernfähigkeit dieser Partei.


Sonntag, 3. Februar 2013

Strukturirrsinn - eine Antwort

TT.MM.JJJJ
Foto: André Benedix
Creative Commons NC ND



Ein (polemisches!) Vorwort

Ich muß doch mal ein paar Worte zum Thema »Strukturirrsinn« loswerden.

Warum? Letzte Woche postete der amtierende Landesvorsitzende Florian A. Unterburger in seinem Blog einen Beitrag »Der Sächsische Strukturalismus«. Ich weiß nicht, was ihn bewegt hat, diesen Artikel zu verfassen, der Wille zum Anheizen einer programmatischen oder politischen Debatte war es ja wohl nicht.

Unabhängig vom zugrundeliegenden Motiv strotzt der Artikel nur so von falschen Aussagen und Schlussfolgerungen und wenn der Unsinn im Netz so unkommentiert existiert, glaubt das am Ende noch jemand.

Ende der Polemik.

Da ich 2 Jahre selber im Landesvorstand war und vorher schon 1½ Jahre Erfahrung im Bundesschiedsgericht gesammelt habe, traue ich mir zu, die Probleme des "Sächsischen Strukturalismus" zu beurteilen.

Beispiel Zwickau


Im Blog schreibt Florian: "…besagte Landkreis ist auch der Auslöser für ebenjenen Blogartikel, den ihr gerade lest. Zwickau hatte bereits einen Kreisverband, welcher aufgrund von Handlungsunfähigkeit vom Landesparteitag aufgelöst werden musste, und ist deshalb ein gebranntes Kind. Nichtsdestotrotz gibt es Piraten in Zwickau, die einen neuen Anlauf starten wollen – gleichfalls gibt es dort solche, die verständlicherweise das Feuer scheuen. Wie ihr unschwer erahnen könnt, bin ich Unterstützer der ersteren."

Was in Zwickau passierte waren zwei Dinge.
Erstens, der KV Zwickau hatte sich gegründet, ohne genügend hohe Anzahl von Aktiven vor der Gründung zu haben. Gleiches ist vielfach die Ursache für Probleme in anderen Gliederungen, dazu später mehr.

Zweitens hatte der KV Zwickau sich in seine Satzung ein Quorum hineingeschrieben, welches sich auf die Anzahl der Mitglieder der Gliederung bezog. Im Klartext, eine Kreisversammlung konnte nach Kreissatzung nur dann durchgeführt werden, wenn eine festdefinierte Anzahl von Mitgliedern auftauchen.

Ob so ein Quorum notwendig ist oder nicht, wenn überhaupt, so sollte man das Quorum nur für die erste Einberufung vorsehen. In Zwickau hatte der Vorstand durch monatelange Untätigkeit geglänzt, der KV Zwickau wurde dann durch den Landesvorstand aufgerufen, einen Kreisparteitag durchzuführen. Da sich der Kreisverband durch Satzung und Untätigkeit selbst blockiert hat, aber auch Gelder blockiert waren, die an anderer Stelle fehlten, beschloß der Landesvorstand den einzig noch verbliebenen Weg über das Mittel der Gebietsauflösung zu gehen. Unter http://wiki.piratenpartei.de/SN:Dokumente/Vorstandsbeschl%C3%BCsse/2011_05_23#LV-SN_2011_05_23_03 gibt es die ausführliche Begründung und Historie.

Kurzum, was wir aus Zwickau gelernt haben sollten:
  1. Keine Quoren in Satzungen schreiben
  2. Keine Gliederungen gründen, wenn zu wenig Aktive vor Ort
 

Verantwortung schafft Aktivität


Unter diesem Titel schreibt Florian A. Unterburger:
Entgegen vieler Erzählungen aus Nachbarbundesländern, die Verbandsgründungen pauschal als Postengeschacher für Titelgeile abqualifizierten, habe ich hier grundlegend andere Erfahrungen gemacht. In Dresden wie auch Sachsen hat sich mehrmals gezeigt, dass der Vertrauensvorschuss, in ein Amt gewählt zu werden, zu deutlich mehr Aktivität geführt hat. Die Verpflichtung gegenüber “den Wählern”, die übernommene Verantwortung führte vielfach – auch bei Neupiraten, die relativ schnell zum Beisitzer gewählt wurden – zur Selbstverpflichtung, etwas zurückgeben zu müssen.

Dazu ein paar Anmerkungen. Wenn man die Mitglieder fragt, warum Sie in den Vorstand wollen, kommt oft die Aussage, "weil ich da etwas bewirken kann". Mich schüttelt es regelmäßig, wenn ich so etwas höre. Denn wir sind eine Partei, in der jedes Mitglied, wenn es will, sich nahezu überall einbringen kann. Und wenn man dann nachhakt, welche Dinge, es denn im Vorstand glauben machen zu können, welche es als Teil der Basis nicht machen kann, leuchten oft gähnende Fragezeichen über den Vorstandskandidat auf.

Im Beitrag schreibt Florian sinngemäß, daß es ja einen Vertraunsvorschuß für die gewählten gebe und die gewählten Vorstände dadurch sich verpflichtet fühlen etwas zu tun.

Ganz ehrlich, bei solchen Aussagen bekomme ich das große Kotzen. Erstens, müssen wir doch nicht ernstlich externe Anreize schaffen, damit Leute etwas tun! Wir sind doch alle deswegen Piraten geworden, weil wir etwas tun wollen(!), damit sich in diesem Lande etwas ändert! Ich habe mich damals nicht für Landesvorstand beworben, weil ich ich mir da einen regelmäßigen Tritt in den Allerwertesten abholen wollte. Ich habe den Job gemacht, weil es andere vor mir so grottig gemacht haben, daß ich mich aus Notwehr da hin gestellt habe. Und aus Notwehr mache ich auch Politik bei den Piraten. Jeder, der ein Jahr im Vorstand auf Landes- oder Bundesebene hinter sich hat, weiß(!), daß man alles bekommt, nur keine Motivation sich der Basis verpflichtet zu fühlen. Denn als Vorstand ist man der permanenten Kritik der Basis ausgesetzt. Da muß man mit intrinsischer Motivation ins Amt hineingehen, damit man die volle Amtszeit nach besten Wissen und Gewissen ausgestalten kann.

Zweitens, die Einwände der anderen Landesverbände, daß oftmals ein Postengeschachere einsetzt, ist nicht einfach wegzuwischen. Gerade im Vorfeld der Aufstellungsversammlungen gab es bundesweite Fälle, in denen Familien- und Freundesclans versuchten eine Gliederung zu gründen, um ihre Chancen für ein Bundestagsmandat zu steigern. Solche Hinweise, ein wachsames Auge auf neuzugründende Untergliederungen zu haben, sollte man nicht als "unqualifiziert" abtun, sondern ernstnehmen.

Zurück zur Überschrift "Verantwortung schafft Aktivität". Diese Überschrift ist nicht ganz falsch. Verantwortung kann jeder einzelne durch Aktivität übernehmen. Und dieses Zeigen von Verantwortung motiviert andere, aktiv zu werden.

Kurzum:


  1. Durch verdientes Vertrauen Belohnte Aktivität schafft Verantwortung.
  2. Jeder kann bei uns aktiv werden, da helfen keine Vorstandsposten

Dezentralität schafft Identifikation

Grundsätzlich stimme ich hiermit überein. Dinge können und sollten besser vor Ort behandelt werden. Doch bedarf es dafür Untergliederungen? Nein. Es bedarf eines Ansprechpartners vor Ort, der Wegweiser spielt. Und nach und nach werden sich vor Ort gewachsene, dynamische Strukturen herausbilden, nicht par ordre de mufti, sondern nach und nach.

Und wenn es vor Ort keine Piraten gibt, die kommunales bearbeiten wollen, dann ist das so. Davon geht weder die Welt unter, noch müsste man da irgendwie eingreifen. Im Gegenteil, solche Aktivitätskerne muß man unabhängig, ob Kommunalthema oder Bundesthema, fördern, unbürokratisch,  motivierend, anerkennend. Wenn das passiert, dann entwickelt sich daraus Schritt für Schritt ein stabiler Nukleus, aus dem immer wieder neue Piraten und neue Ideen geboren werden.

Unter dieser Überschrift behauptet Florian: "Diffuse und unklare Zuständigkeiten sind in Gebieten geringer Urbanität organisationstheoretisch riskant – sprich: das Risiko ist höher, dass sich lose, informelle Crews oder Stammtische in der Fläche verlieren."

Der Punkt ist, wenn es "Diffuse und unklare Zuständigkeiten" gibt, spielt der Ort keine Rolle, das Risiko zum Scheitern ist überall gegeben. Und, Zuständigkeiten zu definieren heißt nicht zwangsweise Untergliederungen gründen zu müssen. In der Vergangenheit hatte der Landesvorstand in solchen Gebieten zB. einen Ansprechpartner benannt, der die Organisatioin und Bewerbung der Stammtische übernimmt.

Kurzum:
  1. Kleine, agile, selbstorganisierte Gruppen schlagen Strukturalismen und sind stabiler
  2. Kommunikation ist und bleibt das A und O.

Unabhängigkeit schafft Effizienz


Mag sein, aber auf kleine Gliederungen trifft das definitiv nicht zu. In jeder Gliederungsebene binden wir ca. 5 aktive Piraten an Formalfoo, sprich: alleine in Sachsen sind 50 Mitglieder in Strukturen gebunden. Eine programmatische Arbeit ist für diese während der Amtszeit kaum möglich. In seinem Blog schreibt Florian, daß ja Kompetenzen aufgebaut werden. Ja, werden sie. Der Punkt ist der, daß die Erfahrungen auf KV Ebene nicht in dem Maße bei Herausforderungen auf Landesebene, und Erfahrungen dort nicht auf Bundesebene helfen.

Wenn, dann sollten wir auf zwei Dinge achten.
Zum einen regelmäßige Abstimmungen zwischen Kreisvorstands- und Landesvorstandsebene (oder Land/Bund wie auf Marina), damit jeder die Probleme des anderen versteht.

Zum anderen brauchen wir einen Workflow, der verhindert, daß jeder neue Vorstand von vorne beginnt, seine Erfahurngen zu machen. Eine Idee war die des rollenden Vorstandes, daß man Teile des Vorstandes in einem Jahr neu wählt, den anderen Teil im folgenden.

Wir brauchen eine Möglichkeit, damit wir das Rad nicht jedesmal neu erfinden. Da hilft keine Hierarchie!

Kurzum:

  1. Jede Untergliederung bindet wertvolle Ressourcen, die zB. für Programmarbeit fehlen!
  2. Wir müssen aus Fehlen lernen!


Eine kleine Katastrophenliste


Um Florians Euphorie ob der Gründung von Untergliederungen mal die Realität entgegenzustellen (nur Jahr 2012!):

  • KV  Vogtland gegründet, bis heute konfliktstark, wenig inhaltliche Vorort-Arbeit, kommissarischer Vorstand
  • KV Mittelsachsen mit 6 Leuten gegründet, 5 davon im Vorstand (stabilisiert durch Förderung LVor mit Tag der Sachsen)
  • KV SOE kurz vor Herztod durch zu wenige Mitglieder, mehrmalige Ermahnung durch Landesvorstand
  • KV Chemnitz handlungsunfähig, kommissarischer Vorstand
  • KV Bautzen kurz vor Herztod durch zu wenige Mitglieder
  • KV Leipzig 2mal handlungsunfähig
  • KV Erzgebirge, kurzzeitig handlungsunfähig durch Wegfall Schatzmeister
  • (KV Dresden kurzzeitig handlungsunfähig, weil Wechsel Vorstand auf Landesebene)
Wir haben also in 5 (von 10!) KVs einen kommissarischen Vorstand gebraucht mit anschliessender Wahl, SOE, Bautzen, (Zwickau) und Vogtland sind zur Zeit eher im Zombiemodus.

Wenn wir KV Gründungen mit je 15 Gründungswilligen gehabt hätten, würden gerade die letztgenannten heute in einem deutlich gesünderen Zustand sein.

Und jetzt mal was Grundsätzliches!


Was mich an Piraten bisher immer fasziniert hat, und ich bin dankbar, daß wir das bisher so gut hinbekommen haben, ist, daß wir schnell und agil miteinander kommunizieren können, daß wir mit Respektlosigkeit Autoritäten entgegentreten. Das von Florian skizzierte Bild das wir nur Struktur brauchen, damit wir effizient sind, ist Politik 1.0-Denke.

Hierarchien, oder auch die Untergliederung der Unterglieder der Gliederung sorgen nach und nach dafür, daß wir die Durchlässigkeit verlieren, daß sich interne Abhängigkeiten und Gefälligkeitsstrukturen bilden. 

Wenn ich mir vorstelle. wir hätten die og. 50 in Strukturen gefangenen Piraten für inhaltliche, programmatische Arbeit zur Verfügung gehabt, was hätten wir bereits reißen können?! Wenn wir die Zeit rechnen, die für die ganzen Kreisversammlungen draufgegegangen sind, für Satzungsfoo, für Wahlen, für Papierkram, für Finanzrechnungen…

Früher, in einer Zeit ohne Internet, waren baumartig organisierte Parteien notwendig. In unsere Zeit auch noch? Ich glaube kaum.

Und deswegen halte ich solcherart Forderungen nach Struktur für Irrsinn.


Mittwoch, 23. Januar 2013

Die Rolle der Bibliotheken





Zum Jahreswechsel 2011/2012 hatte ich begonnen mich mit der Rolle der Bibliotheken in unserem Lande zu beschäftigen. Um es vorweg zu nehmen, ich bin kein Bibliothekar, konnte aber schon diverse Bibliotheken auch aus Innensicht kennenlernen.


Damals schrieb ich verschiedene Bibliotheken an und stellte ff. Fragen:

  • Wie definiert sich das Selbstverständnis des Bibliothekars im Zuge der Digitalisierung?
  • Welche Rolle spielen E-Books?
  • Wo sehen sie die Aufgaben der Bibliotheken jetzt und in 20 Jahren?
  • Wie bilden sich Bibliothekare fort?
  • Welche Probleme ergeben sich für sie aktuell?
  • Welche Probleme erwarten sie in der Zukunft?
  • Wie oft wird der Bestand aktualisiert?
  • Gibt es einen Aufwand für DRM und spezielle Lizenzabkommen, welcher Anteil hat dieser am Gesamtaufwand?
  • Wie gut sind Sie, ihrer Einschätzung nach, in soziale Netzwerkeeingebunden (als Person und als Bibliothek)?
  • Wie gut kennen Sie sich mit den Metaformaten für die Katalogisierungen aus (METS, Dublin Core, usw.)?
  • Tauschen Sie sich persönlich mit anderen Bibliotheken aus? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  • Welche Struktur hat ihre Bibliothek?
Leider war die Rücklaufquote gering, aber ich erhielt ein aufschlußreiches Dokument, welches 2012 aktualisiert wurde: »Bericht zur Lage der Bibliotheken«.

Nach meinen Einschätzungen erfährt das Bild der Bibliothek einen Wandel hin zum Wegweiser und Serviceanbieter im Dschungel der verschiedenen Medien. Wie sollen Informationen auffindbar und durchsuchbar gemacht werden?

Bibliotheken bewerten Wissen und bereiten es auf. Sie werden immer mehr zu sozialen Räumen, Gruppenarbeitsplätze, Zugriff auf Datenbanken, Atmosphäre.

Um zu verstehen, ob,  und wenn ja warum, wir Bibliotheken benötigen und unter welchen Voraussetzungen Bibliotheken funktionieren, benötige ich Eure Mithilfe.

Meldet Euch bei mir einfach per Mail: bibliothekenATandreasMINUSromeykePUNKTde oder noch besser(!) schreibt euren Beitrag bei Wikiarguments: http://de.wikiarguments.net/brauchen-wir-noch-bibliotheken/

Die obenstehenden Fragen werde ich ggf. nach und nach dort ergänzen.

Nachtrag


Der oben verlinkte »Bericht zur Lage der Bibliotheken« liest sich nach meiner Auffassung, fast wie Aussagen der Piratenpartei, hier eine Auswahl:

  • "Bibliotheken sind ein unentbehrlicher Bestandteil der Bildungsinfrastruktur", 
  • "Im Zeitalter der Digitalisierung verkehren sich die Wege und die Medien kommen  zu den Lesern nach Hause"
  • "Das kulturelle Gedächtnis zerbröselt"
  • "Die Erhaltung unseres schriftlichen Kulturguts braucht dringend finanzielle Unterstützung."
  • "Auch im Hinblick auf die Digitalisierung so genannter verwaister  und „vergriffener“ Werke besteht dringender Handlungsbedarf."
  • "… schließt sich ganz ausdrücklich den Forderungen nach Sonderregelungen für die Bereiche Schule, Aus- und Weiterbildung, Studium und Forschung an."
     
Bibliotheken ermöglichen Teilhabe, sind Sozialraum, Hüter des Kulturschatzes, Bildungseinrichtung, Informationswegweiser, Gedächtnis.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Bilanz LVor Teil 1 - Pressearbeit

Meine Motivation ist im Keller.

War ich zum LPT in Olberhau heilfroh mit viel persönlichem Einsatz einen guten Landesvorstand bekommen zu haben, sieht es heute genau andersherum aus.



Saxnpresse


Noch im alten Landesvorstand haben wir versucht die Aufgaben zu definieren, die ein Presseteam leisten sollte, um den Landesverband besser und stärker in der Öffentlichkeit darzustellen.

Nach langer Vorbereitung von Anfang Mai 2012 mit den Anfragen an die Kreisverbände gelang es uns zum Gründungstreffen am 10./12.  August 2012 ein hochmotiviertes Team zusammenzubringen, welches sich neben den Aufgaben, wie Hintergrundgespräche sich selber noch um Erstellung von Pressemitteilungen kümmern wollte.

Der Landesvorstand hatte damals beschlossen, dem Team Pflichten aufzuerlegen, aber auch Rechte einzuräumen, die gewährleisten sollten, daß das Team stabil bleibt und zusammenwachsen konnte. Er hat dabei die Wünsche der Mitglieder berücksichtigt, die beim Gründungstreffen formuliert wurden. Eines der wichtigsten Punkte war, daß das Team ein Vetorecht eingeräumt bekommen hat, wenn neue Mitglieder aufgenommen werden sollten. Auf dem Gründungstreffen wurde darüber gesprochen und vom Seminarleiter, aberr auch vom anwesenden Vorstand darauf hingewiesen, daß stabile Gruppen eine Größe von 10 Mitgliedern nicht übersteigen sollten.

Eigentlich sollte noch ein weiteres RL-Treffen im Vorfeld des Landesparteitages  stattfinden um das Team weiter zu festigen, da der Druck von Innen und von Außen steigen würde. Leider reichte dazu die Zeit nicht mehr.

Das Team hatte dann seine erste Feuertaufe zum Landesparteitag in Olbernhau, wo nicht alles rund lief, aber das Team gute Arbeit geleistet hatte und insgesamt jeder doch mit einer recht hohen Motivation nach Hause ging. Wir hatten es den Freitag zuvor hinbekommen, endlich den Zugang für die Sipgate-Sammelrufnummern zu erhalten und bis auf OTRS und Datenbank für Pressekontakte fehlte nichts mehr.

Leider setzte in den Wochen danach eine unschöne Entwicklung ein in deren Folge ich mich am 27.10. 2012 gezwungen sah, um weiteren Schaden für das Team der Sachsenpresse abzuwenden, meine Mitarbeit dort mit folgender Email  niederzulegen (Zu den genauen Gründen vielleicht später mehr):

Liebe Mitglieder der Saxnpresse, liebe Mitglieder des Landesvorstandes,

nach reiflicher Überlegung und mehrmaligen Drüberschlafen steht mein
Entschluss fest, daß ich mich aus der Saxnpresse komplett zurückziehe.

Es gibt eine Menge von Gründen und ich befürchte, daß ich meine Arbeit
in der Saxnpresse nicht so erledigen könnte, wie ich es von mir selbst
und von anderen erwarten würde, da es mir immer seltener gelingt meine
Motivation hoch zu halten und andere mitzuziehen.

Es war schön zu sehen, daß sich auf dem ersten Treffen der Saxnpresse
ein so gutes Team gefunden hat, welches voller Elan gestartet ist. Und
es schmerzt mich, Euch meine Entscheidung mitzuteilen. Ich habe lange
hin- und her überlegt, ob ich Euch besser verlasse, damit das Team sich
entwickeln kann oder Euch besser noch weiter unterstütze, damit die
ersten Klippen ohne Schotbruch genommen werden können.

In den letzten Wochen nach dem LPT hat es viele unglückliche
Entwicklungen gegeben, die meinen Glauben an diese Partei, diesen
Vorstand und diesen Landesverband stark erschüttert haben. Ich hatte
gedacht, daß mit dem letzten RL-Treffen der Saxnpresse und im Gespräch
mit dem Landesvorstand ein neuer Schub kommt und ich neue Kraft
schöpfen kann. Doch leider sind diese Signale ausgeblieben.

Es ist leider immer noch so, daß von der Saxnpresse an den Vorstand
herangetragene offene Baustellen immer noch nicht bearbeitet sind,
Stichworte: Frage der PM-Freigabe, Wunsch, daß Vorstand mit einer
Stimme spricht, gemeinsames Ticket- und Kalendersystem, System zur
Kontaktpflege, ein definierter Workflow für PMs. Auch die von uns als
Saxnpresse selbst definierten Aufgaben haben wir nur schlecht erledigt,
Hintergrundgespräche fanden kaum statt, ein Telefon-Alarmplan existiert
immer noch nicht.

Statt dem Team zu vertrauen ist der Landesvorstand jetzt mit vier
Mitgliedern dort vertreten, statt auf stichhaltige Argumente aus der
Soziologie zu hören, werden diese mit "persönlicher Erfahrung"
weggewischt, statt fachliche Kenntnisse anzuerkennen, wird mit "jeder
soll doch mitreden" gekontert, statt Entscheidungen (auch unpopuläre)
zu treffen, wird Zuckerwatte verteilt, statt klares Signal des
Aufbruches in der Pressearbeit zu senden, wird auf Vorstandssitzung
alles mögliche behandelt, nur nicht die Baustellen, die geklärt werden
müssten.

Kurzum, ich sehe mich nicht in der Lage unter diesen Voraussetzungen
vertrauensvoll, motiviert und motivierend(!) Pressearbeit für den
Landesverband zu leisten und ziehe mich daher zurück.

Ich bedauere diesen Schritt zutiefst und bitte diejenigen um
Verzeihung, die sich von mir im Stich gelassen fühlen.

Ich wünsche dem Team Saxnpresse und dem Landesvorstand alles Gute.
Da ich in den letzten zwei Wochen mit einigen Mitgliedern der #Saxnpresse gesprochen hatte und seit meinem Rückzug sich leider immer noch wenig getan hat, hatte ich an den Landesvorstand folgenden Antrag gestellt, der heute unbeantwortet abgelehnt wurde.

  1. Wie schätzt der Landesvorstand die Arbeitsfähigkeit des Teams Saxnpresse seit der letzten RL-Sitzung vom 21.10.2012 ein?
  2. Welche Probleme sind nach Einschätzung des Landesvorstandes ursächlich für die brachliegende Pressearbeit?
  3. Wie sieht der konkrete Fahrplan zur Pressearbeit bis zur  Aufstellungsversammlung im Januar 2013 aus?
  4. Inwieweit sieht der Landesvorstand die Pressearbeit mit dem Projekt "Get To Know Your LaVo" vorangetrieben?
  5. Warum waren die letzten Mumble-Sitzungen der Saxnpresse so schwach besucht?
  6. In welchem Rahmen wurden bisher Hintergrundgespräche mit Pressevertretern geführt?
  7. Wieviele Interviewanfragen gab es seit 21.10.2012?
  8. Wieviele Pressemitteilungen gab es? Wieviele hatten reaktiven, wieviele aktiven Charakter? Wieviele dieser sind abgedruckt wurden (so bekannt)?
  9. Wieviele Interviews wurden seit dem 21.10.2012 gegeben?

Stand heute

Stand heute ist:

Die Saxnpresse hat  seit der Neuwahl des Landesvorstandes, seit knapp 75 Tagen Amtszeit
  • immer noch keinen funktionierenden Anschluss an ein Ticketsystem,
  • immer weniger Mitglieder aktiv beim wöchentlichen Mumble
  • keine Hintergrundgespräche geführt
  • Pressemitteilungen weiterhin nur reaktiv und nicht themensetzend veröffentlicht
  • den Telefonalarmplan immer noch nicht umgesetzt
  • den Auftrag sich um interne Werbeplattform "Get To Know Your LaVo" für Vorstand zu kümmern
  • noch keinen vernünftigen Kontaktaufbau mit Pressevertretern betrieben
  • keine klaren Qualitätskriterien für Pressemiteilungen
  • nicht an Bundespresseschulung teilgenommen (obwohl Termin bekannt war)
Mich macht das traurig, weil ich die Mitglieder der Saxnpresse als hochengagiert und hochmotiviert kennenlernen durfte. Das ich mich dann über einen Landesvorstand ärgere, der es schafft, ein werdendes Team in kürzester Zeit zu zerlegen und dann nicht in der Lage ist, diese Entwicklung zu erkennen und gegenzusteuern, sollte keinen verwundern.

Eine Bilanz, die ich ungern ziehen wollte.

Quellen: 

Nachtrag vom 2013-02-02


In der Sitzung des Landesvorstandes vom 2013-01-23 behauptete lt. Protokoll Florian A. Unterburger folgendes:

"nach 4 Monaten haben wir immer noch nicht den Presseverteiler erhalten, das geht so einfach nicht." und bezog sich wohl dabei auf mich. Leider hat es Florian A. Unterburger es nicht für nötig erachtet sich vorher mit allen Mitgliedern der Saxnpresse kurzzuschliessen und sich vor so einer öffentlichen und nachweislich falschen Aussagezu informieren.

Ich stelle hierzu fest:

Ich hatte den Presseverteiler bereits am 17.10. 2012 übergeben (an Phlo). Der ThomasL. von der Saxnpresse hatte mich zur AV Claußnitz gebeten ihm diesen Verteiler nochmal zuzusenden, was ich am 20. Januar 2013 erledigt habe. Die Verzögerungen seit dem LPT Olbernhau bis zum Oktober 2012 sind nicht mir anzulasten, es lagen bis dato keine Datenschutzerklärungen vor. Und ich verschicke keine sensiblen Kontaktdaten ungeschützt wild durch die Gegend.

Da jetzt von allen möglichen Leuten diese Behauptung von Florian A. Unterburger weitergetragen wurden, sehe ich mich gezwungen, diesen Nachtrag zu veröffentlichen.
Im Übrigen gab es bisher keine offizielle Entschuldigung für diese Falschdarstellung durch den Landesvorstand. :(

Auch noch ein Weg Aktive zu demotivieren.

Samstag, 17. November 2012

Ja, wo laufen sie denn?

Nach langer Zeit komm ich endlich wieder dazu einen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Und es hat mich schon lange gewurmt und deswegen heute die Frage an Euch, liebe Sächsische Piraten:


Ja, wo laufen sie denn?


Was ist gemeint?

Schaut Euch dieses Foto an und sagt mir, wer von Euch, insbesondere von den aktuellen Kandidatenkandidaten für die Bundestagsliste, sich mit diesen Punkten auseinandergesetzt hat?




Ich erlebe es leider immer wieder (gerade in den letzten Monaten), daß Mitglieder piratige  Begriffe (er hat 'piratig' gesagt!) nicht verstehen. Im folgenden ein paar Denkanstöße:

Denk! Selbst!


Nun, wer von uns macht sich einen Kopf? Jetzt mal ganz im Ernst!

Denken ist anstrengend! Und Denken ist der schwere, der harte Weg!
Beim Selberdenken hechelt man nicht anderen Leuten hinterher.
Da hinterfragt man Positionen anderer, aber auch seine eigenen.

Und warum Denk! Selbst! zwei Ausrufezeichen hat, wird Euch jetzt klar?!

PS.: Der Slogan ist 2009 entstanden als Reaktion darauf, daß Leute unreflektiert Parteien hinterherlaufen, die Ihnen mal die Welt erklären.

Copy! Remix! Share!


Was heißt denn das? Bedeutet dieser Slogan, copy'n'paste auf Teufel komm raus um Zeugs zu übernehmen, weil es gut klingt? Damit ich mir keinen Kopf machen muß?

Nein. Copy! Remix! Share! hat seinen Ursprung in der Kultur und in der Wissenschaft. Ich kopiere und teile damit mein Wissen, meine Schätze, damit andere darauf aufbauen können. Ich kopiere und teile mein Wissen, meine Informationen, damit andere darüber diskutieren können. Ich teile mein Wissen, meinen Kenntnisstand, damit andere mit mir kommunizieren. Ich teile mein Wissen, damit wir gemeinsam weiterkommen. Damit etwas Neues entsteht.

Damit die Welt ein Stückchen besser wird!

PS.: Google mal nach "Copy Remix Share" ;) 


Freies Wissen

Was heißt denn das? Nichts anderes, als daß dieses Wissen frei zirkulieren kann. Freies Wissen ist herrschaftsfreies Wissen, Wissen, welches uns alle voranbringt. Wissen, um eine Utopie wahr werden zu lassen.

Freies Wissen bedeutet aber auch Gesicherte Erkenntnisse! Nicht unter freies Wissen fallen Gerüchte, Esoterik, Vermutungen. Auch wenn Meinungen wichtig sind, sie fallen ebenfalls nicht darunter.

PS.: Stichworte sind: OpenKnowledge, OpenAccess, OpenSource, FreieSoftware, FreieHardware, OpenData


Freie Kultur

Auch hier, wir haben uns im Laufe der Menschheitsgeschichte Kulturtechniken und Kulturwerte angeeignet, die uns als Menschen ausmachen. Diese Werte und Techniken werden von Generation zu Generation weitergegeben und bilden einen Schatz. Und dieser Schatz gerät unter die Mühlen der Kommerzialisierung verloren zu gehen.

Das hängt damit zusammen, daß wir immer schneller, immer mehr unsere Kulturtechniken aber auch Kulturwerte ins virtuelle verlagern (Videokunst, Computerspiele, elektornische Dokumente), welches an sich noch nicht problematisch wäre. Zugleich aber durch die immer stärkere Ausdehnung der Kommerzialisierung von Kultur und der einseitigen Verlagerung der Gesellschaftsverträge hin zum langfristigen, vermeintlichen Schutz der Urheber (gemeint sind in Wahrheit die kommerziellen Verwerter) einen starken Kulturverlust erleben.

Freie Kultur ist also ein Umgang mit Kulturtechniken und Kulturwerten, der bewußt der kommerziellen Verwertung dieser entgegensteht oder diese zumindest so stark einschränkt, daß nachfolgende Generationen diesen Kulturschatz heben können.

PS.: Creative Commons ist ein Stichwort was hier fällt. Es zählen hierzu aber auch freie Lehrmittel, Gutenberg Project, Archive.org, Wikipedia, ...

tl;dr

  • Denken ist anstrengend, aber notwendig. Es gibt keinen leichten Weg.
  • Kopieren ist gut, wenn man es bewußt tut. Teilen ist noch viel besser.
  • Freies Wissen bringt uns alle weiter. 
  • Und Freie Kultur heißt nachfolgenden Generationen einen Schatz zu hinterlassen!
PS.: tl;dr steht für "Für die Eiligen unter Euch zusammengefasst!"

Dienstag, 14. Juni 2011

Finanzministerium Sachsen als Geißel der Blinden?

Zur Zeit ereignet sich vor den blinden Augen der Öffentlichkeit eine traurige und besorgniserregende Entwicklung: eine der ältesten Blindenschriftbibliotheken, die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig  blutet aus.

Für uns als Sehende ist dieser Prozess kaum sichtbar, denn Blinde haben fast keine Lobby. Das uns dies nicht egal sein sollte, wird vielleicht etwas klarer, wenn man sich bewußt macht, was diese Bibliothek leistet.

Die DZB leiht nicht nur Bücher in ⠃⠗⠁⠇⠇⠑ Brailleschrift aus, sondern produziert Braille-Übertragungen in Kurz- und Vollschrift, erstellt Reliefs und Flyer und bietet Dienstleistungen für die barrierefreie Darstellung von Internetinhalten an.

Wer sich die Mühe gemacht hat, die Zentralbücherei zu besuchen, dem wird nicht nur aktuell, sondern auch schon in früheren Jahren aufgefallen sein, mit welchen Produktionsmitteln (nämlich veralteten) und mit welchen Mitarbeitern (nämlich hochengagierten) diese Bibliothek, neben Marburg die größte in Deutschland auskommt.

Obwohl Staatsbetrieb und unter den Fittichen des Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst angesiedelt, muß die DZB mit ihren knapp 80 Mitarbeitern nun schon seit Jahren mit 3,3 Millionen Euro (siehe Staatshaushalt und Bericht des Rechnungshofes) an Haushaltszuschüssen auskommen. Diese Zahl klingt erst einmal viel, wenn man das aber mal auf die Monate und nur auf die Mitarbeiter herunterbricht, so sind das gerade mal 3437 €. Von diesem Geld müssen nicht nur Gehälter und Versicherungsbeiträge gezahlt werden, nein, auch Papierlieferungen, Wartung und Pflege der Technik und der IT, Sprecher bezahlt und Bücher angeschafft werden.

Mit dem durch den Tarifpartner Freistaat Sachsen unterzeichneten Tarifvertrag kamen ab Mai weitere Kosten auf die Deutsche Zentralbücherei zu, auf deren Gestaltung sie keinen Einfluß hatte und laut bekanntgewordenen Brandbrief des Direktors fehlen bis zum Jahresende 2011 nicht nur zehntausende Euro an Mitteln, sondern auch eine fehlende Perspektive:

Ich halte es für ausgesprochen kontraproduktiv, wenn in den Zeiten des demografischen Wandels und der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention, die DZB gezwungen ist, Personalabbaumaßnahmen zu ergreifen. Bei einem Schwerbehindertenanteil von derzeit 23%, wird die Erarbeitung eines Sozialplanes eine Angelegenheit, die weit über den internen Betrieb der Einrichtung hinaus Beachtung finden wird. [..] Weniger Personal bedeutet:
  •     weniger Bücher in Brailleschrift und als DAISY-Hörbuch für die Bibliothek,
  •     Angebote in schlechterer Qualität für unsere Nutzer und
  •     eine massive Schwächung der Einrichtung, bei den gerade in Angriff genommenen  Entwicklungsarbeiten und Kooperationsbemühungen auf vielen Gebieten der  barrierefreien Informationsversorgung.


Fehlende Perspektive? Ja. Die Deutsche Zentralbücherei muß wie jede andere Bibliothek Tradition und Moderne verbinden. Digitalisierung der Bestände, Nutzung der Daisy-Pipeline, Antworten auf Fragen, wie es mit der Brailleschrift weitergeht und welche Rolle die Deutsche Zentralbücherei für Blinde in der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen spielt, auf all diese Fragen gibt es von der Politik im Freistaat Sachsen keine Antwort, nicht einmal, wenn hier in Leipzig die Braille21 stattfindet.


Studios für Blindenhörbücher stehen ev. vor Schliessung, die Zeitschriftenproduktion wird wohl gerade halbiert. Und vielversprechende Projekte, wie Leibniz zur digitalen Aufbereitung und Zugänglichmachung von Fachbüchern könnten auf der Kippe stehen.  Ein größerer sechsstelliger Betrag fehlt wohl jetzt schon im nächsten Jahr. Die Leidtragenden sind die, die auch an der Gesellschaft teilhaben wollen, die Blinden und Sehschwachen.

Aber mit der Alterung der Gesellschaft können auch wir eines Tages auf die Angebote dieser Bibliothek angewiesen sein. Laßt uns aufwachen! Die Piraten sind dabei, wer noch?

Update 2011-06-16:

Ich wurde indirekt gebeten, den Blogpost zu entschärfen. Nach Meinung der DZB würde dieser Artikel den Verhandlungsprozess mit der Staatsregierung Sachsen erschweren. Ich bin darüber etwas verwundert, weil im Artikel meines Erachtens die Stärken und damit auch die Gründe für den Erhalt der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig herausgestellt wurden. An der Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, daß Frau Prof. von Schorlemmer des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst die Bedeutung der DZB in den vergangenen Jahren hervorgehoben und sich für den Erhalt dieser Einrichtung eingesetzt hat.

Dennoch bleibe ich dabei, daß das Staatsministerium für Finanzen die nötige Sensibilität hat missen lassen und sich auf die Position des Sparens um des Sparens willen mit Verweis auf das Haushaltsgesetz und auf Kosten der Betroffenen zurückzieht. Ich hoffe, der Deutschen Zentralbücherei  gelingt die schwierige Neuverhandlung der notwendigen Zuschüsse.

Im Beitrag wurden geändert: der Verweis auf den Brandbrief, die Gelder, die der DZB dieses und nächstes Jahr fehlen. Diese Gelder können aus dem oben verlinkten Bericht des Rechnungshofes bei Kenntnis der Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst selbst ermittelt werden.